Rollstuhlbasketball bei Hannover United

Sport, Spiel, Spass und gute Unterhaltung für Jung und Alt – sowie für “mehr oder weniger” Behinderte bieten Spiele in der Rollstuhl Bundesliga. Heimspiele von Hannover  United, Verein für Rollstuhlbasketball, finden während der Spielzeit in der Sporthalle der IGS -Stöcken,  Eichsfelder Straße 38 in 30419 Hannover statt. Die aktuellen Spieltage in der Saison 2019 / 2020 findet man im Internet. 

 

Diiiiiieeeeefens: Die Abwehr steht!
Die Fangemeinde

Eine feste Größe in meinem persönlichen Terminkalender sind die Spiele von Hannover United in der 1. Bundesliga im Rollstuhl-Basketball. Die Heimspiele finden während der Spielzeit in der Sporthalle der IGS -Stöcken in der Eichsfelder Straße 38 in 30419 Hannover statt. Die aktuellen Spieltage in der Saison 2019 / 2020 findet man im Internet.

Seit Wochen freue ich mich auf den Saisonbeginn der Hannover Uniteds. Ich muss vorausschicken, dass ich in meinem bisherigen Leben kein Konsument von Sportveranstaltungen jeglicher Art war. Im Fernsehen mal ein  Fußball Länderspiel ansehen oder mal ein Handballspiel – aber Basketball? Die harte “Plastikpille” habe ich in meiner Jugend schon nicht im Korb versenken können.

Mit dem Rollstuhl-Basketball ist das total anders.

 

Der United-Nachwuchs „rollt“ sich ein
Das ist Inklusion

Aber auch hier von Anfang an. Mein Freund Roman, mit dem Wort “Freund” gehe ich normalerweise sehr sparsam um, hat mich mit einer Freikarte “geködert”. Roman ist seit seiner Geburt Rolli-Fahrer. Er hat mir gezeigt, wie man mit einer erheblichen körperlichen Behinderung aktiv am Leben teilhaben kann und mit aktiv ist auch aktiv gemeint! Das Besondere, er zeigt mir (und natürlich auch anderen, die es sehen wollen) wie viel Positives in unserem Alltag steckt. Ob im Job oder im Biergarten, er steht nicht im Mittelpunkt, er ist mitten unter uns. So verstehe ich Inklusion. 

 

Sport und Spaß für Jung und Alt

Ich sehe auch den Heimspiel-Samstag nicht als reine Sportveranstaltung, bei der Rolli-Fahrer ihren Sport ausüben. Der Samstagabend ist für mich eine gesellschaftliche Veranstaltung. Zufällig sind die “Rollis”, im Gegensatz zum Straßenbild ein wenig in der Überzahl. Man grüßt sich, freut sich, dass man sich wieder sieht, gibt sich die “five” oder die “Faust” – man ist fast eine Familie. 

 

Kuchen oder Mettbrötchen, das ist hier die Frage

Es beginnt an der Kasse: “Na….auch wieder da?!”,  mit einem kessen Spruch beginnt in der Regel der Abend. Catering (zu überschaubaren Preisen) bedeutet hier, dass die Angehörigen der Sportler, die Vereinsmitglieder (wer auch immer) den selbstgebackenen Kuchen, die frisch geschmierten belegten Brötchen, die Knackwurst mit Kartoffelsalat und die Getränke verkaufen. Neuerdings ist auch die Hannoversche Kaffeemanufaktur im Boot, die unter anderem auch United-Espresso anbieten und den Verein unterstützen.

 

Wir sind in der Bundesliga, ein Stadionsprecher äh… Hallensprecher informiert teils launig vor und nach dem Spiel Interessantes und Wissenswertes. Während des Spiels werden die wenigen Fouls kommentiert und die darauf folgenden Schiedsrichterentscheidungen erklärt. Als Zuschauer-Anfänger ist man immer auf Ballhöhe. 

 

immer auf Ballhöhe

Bei der Gelegenheit zu den Fouls: Man ist von manchen Sportarten gewohnt, dass es manchmal oder sogar regelmäßig zu kleineren Handgreiflichkeiten (man nennt dies neuerdings harmlos Trikotzupfen) oder Ähnlichem kommt. Hier passieren auch mal Fouls, in der Regel entschuldigen sich die Kontrahenten mit einer “five” oder einer “Faust” und meist mit einem ehrlichen Lächeln im Gesicht und akzeptieren den anschließenden Freiwurf. Auch Sprüche wie “Schiri, isch weiss wo deine Hause wohnt”, habe ich hier noch nie  gehört. Oft entschuldigt sich der Spieler auch beim Schiedsrichter.

Das klingt jetzt wie Völkerball im Mädchenpensionat. Ganz im Gegenteil. Es wird gefightet, geblockt, gesperrt und dem Gegner in die (‘tschuldigung’ …  ) Karre gefahren, dass es nur so kracht. Die Spieler liegen nach einem Zusammenstoß mit dem “Gegner” oft waagerecht mit ihrem Sportrolli in der Luft. Nicht selten landen die Sportler mit ihrem angeschnallten Sportgerät auf dem Hallenboden. Meist katapultieren sich die Athleten akrobatisch von der Waagerechten wieder in die Senkrechte, wenn das nicht gelingt, hilft ein Sportkamerad, der in der Nähe ist, egal aus welcher Mannschaft.

 

Stichwort Mannschaft, eigentlich ist das gar keine Mannschaft, sondern eine “Frau”- und “Mann” – Schaft, es ist ist ein gemischtes Team. Auch die Schwere der körperlichen Einschränkung spielt eine Rolle, sie wird individuell für das Team nach einem festgelegten Punktesystem errechnet. Jedes Team startet innerhalb der Berechnungszahl, sodass zumindest rechnerisch ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis gegeben ist.

 

Voller Körpereinsatz, die Trommler
Tempo, Tempo!

Ach, noch eins, lärmempfindlich sollte der geneigte Zuschauer nicht sein. Eine Trommlergruppe unterstützt die Heimmannschaft, äh.. das Heimteam lautstark und inbrünstig bei Angriff oder Verteidigung von der Bande aus. Wenn von allen Fans (ich habe mich noch nicht getraut, weil ich bis jetzt die Bedeutung noch nicht verstanden hatte) im Chor

Diiiiiiiieeeeefens Diiiiiiiieeeeefens Diiiiiiiieeeeefens” reklamiert wird, ist das eigene Team gemeint. Die gegnerische Mannschaft greift an, es bedeutet auf neudeutsch “defence” und frei übersetzt: Schnappt sie Euch bevor ihr vom “Gegner” überrollt werdet.

 

Feuer und Flamme, das Einrollern

Was ich bei meinem “Heimspielpflichttermin” positiv wahrnehme: jeder Spieler, auch vom Gästeteam wird mit Namen und Trikotnummer und Beifall begrüßt. Der Applaus fällt natürlich beim Heimteam etwas üppiger aus! Jeder Spieler des United-Teams begrüßt jeden Spieler des gegnerischen Teams durch abklaschtschen und so wird auch nach Sieg oder Niederlage der Gast verabschiedet. Ich finde das fair und sportlich!

 

Nach Spielende verabschieden sich alle Spieler mit einer sehr emotionalen “Hallenrundfahrt”. Die Zuschauer an der Bande werden abklatscht und fast alle Zuschauer, auch die von der Tribüne, stehen jetzt an der Bande. Spieler und Zuschauer – quasi eine große Familie. Das ist bei anderen Sportarten in der Spielklasse “Bundesliga” nicht selbstverständlich!

 

In diesem Blog wurde schon mehrfach die “five” – das Abklatschen erwähnt. Schön wäre es, wenn jeder Zuschauer “five” in Worten “fünf”-  zusätzliche Freunde und Bekannte zu den Spielen mitbringen würde. Der Sport und die Sportler hätten dies verdient. 

Um das Orga-Team von Udo Schulz nicht zu überfordern, reicht es ja vorläufig aus, wenn jeder Gast einen weiteren Gast mitbringt. Man müsste erst mal prüfen, ob zum nächsten Heimspiel die TUI-Arena überhaupt frei ist…..😂