Du hast es Dir verdient, gönne Dir etwas: Kleider machen Leute

„Wie kleide ich mich wenn ich in Rente bin“?

Das fragt sich der ältere Mensch, wenn er nicht mehr ins Büro oder zur Arbeit muss. Die Antwort ist, wie immer, nicht so ganz einfach. Unsere Frauen haben es da ein wenig einfacher – und wenn nicht, gibt es tausende von Beraterinnen, sogar im Netz. 🙂

 

Beginnen möchte ich mit dem Schweizer Dichter Gottfried Keller, der schrieb zum Ende des 19. Jahrhunderts die Erzählung „Kleider machen Leute“. Die Geschichte handelt vom Schneidergesellen Wenzel, der sich trotz Armut gut kleidet und für einen polnischen Grafen gehalten wird und fliehen muss, weil seine Hochstapelei auffliegt. Zum Schluss fügt sich wieder alles zum Guten, hier erhält das Sprichwort erneut seinen Sinn: Kleider machen Leute

Mode: Licht und Schatten liegen dicht beieinander!

Nicht alles, was modern und „hip“ ist eignet sich für einen Senior. Ich denke da zum Beispiel an die „zerrissenen und zerfledderten“ Jeans oder an die hypermodernen Sneakers. Wir nannten sie früher Segeltuch-Turnschuhe. Und dann gibt’s es da auch noch das Gegenstück, die dunkelbraunen oder grauen Stoffhosen mit Wandersandalen und weißen Frotteesocken inkl. beigefarbenem Blouson…..

 

Das Thema ist vielschichtig und nicht dazu angetan Lösungen vorzugeben.  „Mann“ sollte sich einfach mal Gedanken zu seinem Outfit machen.

Kleidung hat eine Funktion und hat etwas mit Selbstwertgefühl zu tun. Dem Wert, den „Mann“ sich gibt oder wie „Mann“ gesehen werden will. Erhielt man bisher Anerkennung im Arbeitsleben, so fällt diese oft mit dem Start ins Rentnerleben weg – da kann ein neuer, schicker, individueller  Kleidungsstil helfen, die innere Balance zu halten, um das seelische Loch der fehlenden Wertschätzung zu kompensieren.

Das heißt:

Interesse an der eigenen Person zu wecken und nicht auf dem Abstellgleis zu parken.

Die Devise sollte aber immer lauten: weniger ist oft mehr.

Wir Männer im reiferen Alter wollen in der Regel sportlich und gepflegt wirken und dafür brauchen wir zweckmäßige Kleidung, die sich auch noch kombinieren lässt. Und für (fast) jeden Anlass geeignet ist. Viele von uns waren während der langen Arbeitszeit in Sachen Kleidung reglementiert, jetzt wollen wir Freizeitkleidung. Allerdings sollten wir den „guten Anzug“, den Blazer und den Wollmantel nicht voreilig zur Altkleidersammlung geben. Ein dunkler Anzug ist für manche Anlässe ein MUSS, z.B. für einen Theaterbesuch oder eine Beerdigung.

Nicht zu eng geschnittene Jeans in schwarz, anthrazit oder dunkelblau können zu fast jeder Gelegenheit tadellos getragen werden. Im Sommer eignen zusätzlich sich passende Polohemden, unifarbene oder gemusterte Sporthemden. In der Übergangszeit empfehlen sich dazu farblich passende Sweatshirts oder Pullis. Eine Textil- oder Lederjacke sollte je nach Jahreszeit auch nicht fehlen.

Nach Lust und Laune dürfen auch ruhig frische Farben getragen werden, Neonfarben und zu auffällige Muster sollte man, wenn überhaupt, den ganz Jungen überlassen. Je nach Geschmack oder Anlass kann ich mir auch Landhausmode also z.B. Tweedsakko und Cordhosen in Verbindung mit Polohemden und Raulederboots, Bootsschuhe oder Budapester vorstellen. Der Herr geht bewusst und betont leger, er soll sich in seiner Kleidung wohlfühlen.

Der Herr trägt als Ausgehkleidung für einen Einkaufsbummel zu zweit, zu einem Restaurantbesuch oder einer Einladung ein schickes Oberhemd (evtl. mit Sakko), es kann auch ein wertiges Jeans-, Cord- oder Flanellhemd sein.  Schuhe sind ein besonderes Kapitel – sie sagen oft viel über die Person aus. Sauberkeit und glänzendes Glattleder sind selbstverständlich. Loafers (früher sagten wir dazu Slipper), High Sneakers oder Boots mit Gummisohlen sind auf jeden Fall salonfähig, sie sollten nur zum restlichen Outfit passen. Wenn jetzt noch der Gürtel und das Uhrenarmband mit den Schuhen harmoniert, zeugt dies von einem besonderen Geschmack.

Zum Geschmack: das eigene Outfit muss einem gefallen, ansonsten fühlt man sich unwohl, man fühlt sich „verkleidet“, man fühlt sich nicht authentisch. Wir wollen gesehen werden, wir wollen ein Lob für unseren „guten Geschmack“ bekommen und das ist gut für unsere Ausstrahlung und unser Selbstbewusstsein.