Der Hund ist der beste Freund des Menschen

 

Mit der Rente sind wir auf den Hund gekommen. Er wärmt uns nicht nur an kalten Wintertagen die Füße. Er ist unser Fitnesstrainer, Immunsystem-Tuner, Hauswächter, Kontakter zum Universum, kurzum er ist unser dankbarer und treuer Begleiter auf Schritt und Tritt.

Die Entscheidung für einen Hund ist schon vor vielen Jahren gefallen. Das Hindernis: Ich war im Außendienst und meine  Frau war täglich mindestens von 9 bis 18 Uhr beruflich unterwegs. Über die Rasse haben wir uns schon früh Gedanken gemacht. Um es abzukürzen, ein “Ludwig” sollte es werden, so einer wie der vom Dorfpolizisten Eberhofer aus der gleichnamigen Krimireihe, also ein Picard. 

 

Um genau zu sein, der exakte Name lautet Berger de Picardie, es ist eine sehr alte Hütehund-Rasse. Er soll bereits mit den Kelten in die Picardie, also nach Nordfrankreich gekommen sein. Picards sind eigenwillig, sehr intelligent und entscheiden gerne selbst was geschieht. Es sind keine “Anfängerhunde”, sie brauchen konsequente Erziehung und viel Liebe. Der Mensch muss die Sprache des Hundes lernen um zu wissen, wie sein Hund “tickt”.

Der Plan war: “Wenn wir gemeinsam im Ruhestand sind, gehen wir zu einem Züchter, suchen uns den schönsten Picard  aus und geben ihm eine neue Heimat, also unsere.”

Fest steht, Picards bekommst du nicht so einfach, auch nicht (nur) für Geld. Für einen Picard musst du dich bewerben und zwar persönlich. Wir haben stundenlange Telefonate mit Züchtern geführt, bis man uns für einigermaßen vertrauenswürdig befunden hat.  Erst dann wurden wir von einigen Züchtern irgendwo in Deutschland zur persönlichen Vorstellung eingeladen.  In meist mehrstündigen  “Castings” mussten wir unsere Zuverlässigkeit für die zukünftige Hundehaltung  dokumentieren. Was soll ich sagen, wir hatten wohl einen guten Eindruck hinterlassen. Als zukünftige Hundeeltern sollte es aber vorläufig doch noch nicht klappen. Entweder wurden die Mädels nicht trächtig oder die Rüden waren nicht bei Laune.

 

Nach einem Jahr, oh Wunder, hat es dann doch ganz kurzfristig geklappt. Ein Picardwelpe wurde von seinem zukünftigen Besitzer kurzfristig nicht abgeholt. Er war also wieder “elternlos”. Durch eine Bekannte einer Bekannten (danke Ninon) und um 3 Ecken erfuhren wir von diesem herrenlosen Picardjungen. Der “Knabe” wohnte (logisch) noch bei seiner Mama im fast 1500 km entfernten nord östlichsten Zipfel Frankreich’s.

 

Nach erneuten stundenlangen Telefonaten mit der Züchterin waren wir uns sicher und einig. Wir fuhren also nach Frankreich um Puck abzuholen. Der Name war schon sehr früh klar.  Er ist benannt nach dem neckischen Waldgeist, der alles durcheinander bringt. Es ist der “Puck” aus dem “Sommernachtstraum”, von keinem Geringeren als William Shakespear (nix Stubenfliege).

Was wir Puck noch nicht verraten haben: er war bei der Geburt der letzte und der allerkleinste von 8 Welpen. Er war so schwach, dass ihn seine Mutter anfangs nicht beachtete. Puck wurde deshalb in seiner ersten Woche von einer Yorkshire Terrier Amme gesäugt. Heute, nach etwa 25 kg Gewichtszunahme und ca. 62 cm Rückenhöhe kann man sich das gar nicht mehr vorstellen. 

Über das “Babyalter” und die Zeit bis zur Einschulung in die Hundeschule möchte ich gar nicht berichten, das kennen wir von unseren Kindern, es ist vergleichbar.

Der Hund als Freund des Menschen, der Menschenfreund.

Man braucht Nerven und Geduld! Fest steht, man hätte ihn manchmal ungespitzt ……..aber das verträgt sich nicht mit der “Hunderechtskommission”.

Wir wollen ihn nicht mehr missen, er ist ein selbstverständlicher Teil unserer kleinen Familie geworden. Puck sieht nicht nur lustig aus, er hat auch ein freundliches Wesen und paßt immer auf uns auf.

 

Puck der Weckdienst

Puck weckt uns täglich zu angenehmer Zeit und stets freundlich mit einem kleinen Nasenstupser. Wenn das nicht hilft,  auch mal etwas heftiger z.B. mit einem feuchten Küsschen ins Ohr. Gute Laune ist Morgens schon Programm, nützt ja nix. Puck hat entschieden, dass seine Herde jetzt aufstehen soll!

Puck der Fitnesstrainer 

Nach einem gemütlichen Frühstück lässt Puck uns auch die Muße, die Tageszeitung gründlich zu lesen, während er noch ein Nickerchen hält.

Anschließend ist aber die tägliche, mindestens einstündige Walkingrunde angesagt.

Nie hätten meine Frau und ich eine morgendlich täglich wiederholende (quasi jeden Tag) Runde durch Wald und Flur auf dem Schirm gehabt. Alles bei frischer Luft und bei jedem Wetter. Eine ähnliche Spazierrunde wiederholt sich am Spätnachmittag. Nicht dass uns der Frischluftschock schaden würde, ganz im Gegenteil! Wir haben eine bessere Kondition und hatten beide trotz “Sauwetter” den ganzen Winter keine Erkältung. 

Puck der Modeberater

Bisher trugen wir zumindest Wochentags eher gedeckte Nadelstreifenanzüge und Businesskostüme und “Klack-Klack” Schuhe. Jetzt ist es die atmungsaktive Funktionskleidung für Sonne, für Regen, für Kälte oder für alles kombiniert. Untenrum sind es meist Gummistiefel, auch da haben wir die Erfahrung gemacht, dass Gummistiefel nicht gleich Gummistiefel sind. Im Sommer: Stiefeletten für nasses Gras ohne Fütterung, im Frühjahr und im Herbst mit leichter Fütterung und im Winter natürlich richtige “Schnee- und Matschstiefel” mit warmem Futter und immer das richtige Profil auf der Sohle. Die Mode passt sich der Umgebung und der Witterung an, manchmal sind es Reflektionsstreifen an Jacke und Hose, dass einen der Jägersmann nicht mit einem Reh (oder Wildschwein) verwechselt. 

Der Einzige, der sich nicht um die Mode schert, ist Puck. Er macht immer Bella Figura mit seinem “Strähnchen-Wuschelpelz”, mal mit mehr oder weniger Unterwolle.

Puck der Kommunikationstrainer 

“Was ist denn das für einer ?” (gedacht: Zausel) 

Man trifft auf den Exkursionen durch Wald und Flur ständig Artgenossen (Hund/Mensch – Mensch/Hund), also Herrchen und Frauchen mit ihren 4- Beinern. Im richtigen Leben lässt man sich im Normalfall vielleicht ein “Morgen” abringen. Ganz anders unter der Anleitung eines ausgebildeten Kommunikationstrainers.

Pucks lustiges “Picard-Outfit” ist ein Garant für Fragen anderer Hundehalter: “was ist denn das für einer, der sieht ja witzig aus.” Hund zeigt mit freudigem Bellen und Schwanzwedeln an, “ich möchte mich mit meinem Artgenossen ein wenig unterhalten und ihn auch ein wenig beschnuppern”. Während dieser Zeit kann  sich auch Herrchen oder Frauchen austauschen, z.B. über die Zubereitung einer leckeren und ausgewogenen Hundeernährung oder über die neuesten Erkenntnisse in der Menschenerziehung und wenn sonst nix geht über Zeckenhalsbänder. Bei diesen Begegnungen sollen wohl schon richtige Freundschaften entstanden sein, sogar von Mensch zu Mensch.  Fest steht, was nicht nur Hunde betrifft: Die Kommunikation ist keine Einbahnstraße und…..“wer hat’s erfunden? Die Hunde!”

Puck der Liebhaber

Egal zu welcher Uhrzeit, wenn es über Puck hereinbricht, kommt er angewedelt, drückt seine dicke Nase und seinen Kopf samt Löwenmähne gegen die Beine von Herrchen oder Frauchen und verlangt Liebe. Die Streicheleinheiten, die von Mensch zum Tier gegeben werden kommen 1000fach zurück. Der Kommunikationstrainer würde sagen: “eine echte win – win Situation!”

Puck der Aufpasser und Feuermelder 

Seinen Wachposten hat Puck auf dem Flur bezogen, ihm entgeht nichts, aber auch gar nichts! Ob eine Frau mit Kinderwagen oder ein Artgenosse seine Straße und sein Grundstück passieren: Puck zeigt dies mit einem “Wuff”  an und kontrolliert nochmals die Situation stehend am Wohnzimmerfenster, ob auch wirklich alles in Ordnung ist. Unsere Nachbarshündin Luna (und Freundin von Puck)  hat auch schon mal früh einen Hausbrand gewittert und Schlimmeres verhindert. Der mit dem gelben Elektro-Transporter ist auch Pucks Freund. Er bringt fast täglich Briefe und auch Pakete. Weil ich, Puck, mich so freue, bekomme ich schon mal ein extra Leckerli vom freundlichen Postmann. 

Puck der Gelassenheits Manager

Seit Puck die Position des Hausherrn bei uns eingenommen hat,  sehen wir vieles ein wenig gelassener. Das beginnt mit den Abdrücken der Hundepfoten in der Wohnung. Wenn Puck erst eine Runde durchs Beet gerast ist und dann im  Wohnzimmer berichten will, was er alles im Garten erschnüffelt hat, sieht man Spuren. Überall, wo Puck auftaucht, hinterlässt er “Erinnerungen”: ein Ästchen, ein Blättchen und natürlich auch ein wenig Fell. Staubsauger raus und fertig!

Wir haben uns eine gewisse Gelassenheit antrainiert, und es ist gut so.  Wenn Puck mal wieder mitten im Weg liegt und döst, geht man halt aussen rum oder steigt über das schlafende Tier, er hat ja schließlich bis eben das Haus bewacht und verteidigt.

Puck das Nachthupferl

Puck macht gewöhnlich nach dem Abendbrot auch Feierabend, er “verdrückt” sich dann meist leise auf sein Nachtlager im Flur und nimmt seinen wohl verdienten Erholungsschlaf. Wenn wir dann später auf leisen Sohlen ins Schlafzimmer schleichen um den “armen” Hund nicht zu wecken, hebt er sein Haupt, überholt uns auf der Treppe und geht voraus ins Schlafzimmer um zu checken ob sich dort keine wilden oder gefährliche Tiere aufhalten. Meistens ist das nicht der Fall, er legt sich dann, sicher ist sicher, vorsichtshalber am Fußende ab. Erst wenn wir (scheinbar) eingeschlafen sind, geht er zufrieden mit sich wieder treppab um den Hauseingang zu überwachen. Der Zeitungsmann erfordert ja auch seine Aufmerksamkeit, so gegen vier!

 

Der Beruf des Rentners…..

Der Beruf des Rentners ist trotz der fehlenden Arbeit (haha) mit Hund spannend und abwechslungsreich. Man sollte sich aber bewusst sein, dass zur Hundehaltung auch jede Menge Verantwortung zu tragen ist. 

Man sollte sich vor der Anschaffung des Hundes im Klaren sein, dass der Vierbeiner die nächsten 10 bis 15 Jahre der ständige Begleiter des Menschen ist und immer die Aufmerksamkeit eines 3jährigen in Anspruch nimmt. Wir erinnern uns als unsere Kinder Laufen, Dreiradfahren oder Klettern gelernt haben. Wir Eltern waren ständige Aufpasser und Schutzengel. Der Hund braucht Platz, möglichst einen eigenen Garten. Es kommt auf die Größe des Hundes an, vielleicht braucht man auch ein größeres Auto. Man muss sich auch überlegen, wie man mit (oder ohne) Hund seine Urlaube in der Zukunft gestalten möchte. Flugreisen, Städtereisen oder Museumsbesuche werden zu einer Herausforderung.

Ein Hund braucht Aufgaben, Erziehung, Zuwendung und Geduld – Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut!

Die “Adoption” eines Hundes muss vorher genau durchdacht werden. Man muss dem neuen Mitbewohner sehr viel Zeit einräumen und sehr viele Zugeständnisse an die eigene Freiheit machen. Der neue Vorgesetzte heisst jetzt nicht mehr, wie in der Vergangenheit “Chef”, er heisst jetzt Hund. Im Gegensatz zum “Chef” lässt sich “Hund” vom Herrchen oder Frauchen erziehen, aber das ist ein anderes Thema, darüber wurden viele Bücher geschrieben und Fernsehratgeber ausgestrahlt, wie z.B. 

“Mein Hund gehorcht mir aufs Wort…..oder nicht!”