Eigenlob stinkt nicht – Eigenbelohnung ist toll!

Vor ein paar Tagen stieß ich auf einen Zeitungsartikel, in dem sich ein „Karrierecoach und Bestsellerautor“ mit dem Thema „ Eigenlob“ beschäftigt hat.
Als Rentner hat man mit dem beruflichen Fortkommen und dem Aufstieg auf der Karriereleiter nicht mehr so viel zu tun und trotzdem hat mich der Artikel magisch angezogen.

Eigenlob – Selbstlob – Selbstwert – Motivation – Selbstvertrauen – sich Annehmen

Bei meiner früheren beruflichen Tätigkeit als Verkaufstrainer und -Coach ging es mir darum, dass der Verkäufer  seine Interessenten so motiviert, dass sie bei ihm zu kaufen. Das ist logisch und erstrebenswert.
Auf die Frage, wer den Verkäufer motiviere, war überwiegend ein schweigendes Achselzucken oder ein fragendes Kopfschütteln bei den meisten meiner Teilnehmer zu sehen. Auf die Frage, ob die Verkäufer für gute Leistung gelobt würden, erhielt ich meist die Antwort: „Nicht getadelt ist ausreichend gelobt“. So viel zum Berufsleben.

Jetzt sind wir im Ruhestand. Wir kümmern uns „nur“ noch um den Haushalt, den Garten, den fahrbaren Untersatz. Die Papiertonne muss pünktlich rausgestellt und leere Flaschen in den Glascontainer sortiert werden. Es sind ganz banale Handlungen, über die es sich nicht lohnt zu reden, geschweige denn dafür gelobt zu werden. „ Du hast aber heute toll staubgesaugt!“ hört sich gut an, baut aber nicht wirklich seelisch auf. Und zudem muss man es fast täglich machen – das Staubsaugen meine ich…man gewöhnt sich dran und lobt nicht täglich..…und erfährt auch wenig Anerkennung.. Mit Kritik wird aber im Gegenzug nicht gespart, wenn es mal nicht so gut funktioniert.

Was tun, wenn Lob, Anerkennung und Belohnung ausbleiben?

Unsere Frauen sind da meist schon deutlich weiter. Sie sind Profis in der Ausübung banaler Tätigkeiten, ohne Lob und Anerkennung dafür zu erhalten und haben deshalb ein Ersatzsystem erschaffen: Frauen belohnen sich selbst, oft und nachhaltig. Wenn die Damen sich für etwas belohnen wollen, kommt es durchaus vor, dass sie mit einem neuen Paar Ballerinas, einem neuen Kleid, einem ganz tollen Duft oder einer wunderbaren Dekokerze nach Hause kommen. Die Rechtfertigung: „Das habe ich mit heute mal gegönnt“.

Wir Männer sind da einfacher gestrickt. Wenn unsere Schuhe „durch“ sind, kaufen wir notwendigerweise ein neues Paar. Wenn unsere Hemden Löcher aufweisen, werden sie ersetzt. Dekokerzen habe ich persönlich noch nie gekauft: „Braucht kein Mensch“.
Ich muss aber zugeben, die meisten Frauen beherrschen die Sache mit der „Belohnung“, mit dem Eigenlob und mit der Eigenmotivation deutlich besser als wir Männer. Es gibt noch ein wenig Nachholbedarf. Schließlich vermissen wir in unserem Ruhestand das Lob und die Anerkennung unserer Ex-Vorgesetzten und Kollegen (was auch selten genug vorkam).

Hier ein paar Beispiele, wie sich der Verfasser neuerdings motiviert, belohnt und lobt:

 Einmal in der Woche geht er mit wechselnder Begleitung (ebenfalls von Rentnern) in die Markthalle oder in ein Café, einfach zur Unterhaltung und ohne großen Anlass. Ein leckerer Cappuccino, „Leute zu gucken“ – einfach „nur so“.
 Ab und zu in den Elektronik- oder Baumarkt meines Vertrauens „um informiert“ zu bleiben.
 Setzt sich auf seinen „Moped“ um einfach nur zu cruisen, Zeit haben um „Zeit zu verdaddeln“.
 Kauft sich auch schon mal Schuhe, die er nur alle ¼ Jahre anziehen kann.
 Hat sich ein paar Hüte der italienischen Nobelmarke Borsalino gekauft, sie hinter seinem Schreibtisch aufs Regal gelegt – und erfreut sich daran.
 Trinkt ab und zu, wenn er mag, einen sauteuren Gin oder Grappa
 Liegt faul im Garten und liest ein Buch.
 Genießt es und „belohnt“ sich damit, Zeit für Dinge zu haben, für die er noch nie Zeit hatte.

Dies sind nur ein paar Beispiele, wie „Mann“ sich belohnt. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Wichtig ist nur, dass wir es tun! Erfahrungsgemäß erntet man ja von unseren Mitmenschen mehr Kritik als Lob. Ein eigenes Belohnungssystem,  das Eigenlob, tut gut und macht zufrieden. Es scheint eine nicht zu versiegende Quelle wohltuender Gefühle zu sein. Wir sind nicht vom Wohlwollen der Anderen abhängig. Klasse!!!
Eine einfache Methode, mehr Lob zu erhalten ist übrigens auch, deine Mitmenschen mehr zu loben!!! Ihnen Anerkennung zu zollen. Man erhält zurück, was man gegeben hat.
Wichtig ist auch, ein anerkennendes Lob anzunehmen, aufzunehmen und sich dafür zu bedanken. Immer öfter höre ich, wenn sich jemand für etwas bedankt oder gelobt wird den Spruch: „Dafür nicht“.

Doch! GERADE DAFÜR!

Ein Dankeschön oder ein Lob ist unheimlich viel wert, sowohl für den Sender wie auch für den Empfänger.
Fazit: sei stolz und dankbar auf deine Leistung freue dich über ein Lob von Anderen. Um deine Selbstachtung und dein Selbstwertgefühl zu erhalten und zu stärken, schenke dir selbst die Anerkennung, die du dir von anderen wünschst- beginne mit dir.

 Denke gut über dich ( und andere)
 Rede gut über dich ( und andere )
 Gönn` dir, was dir Freude macht