…mit 66 Jahren… wann ist das Leben am schönsten

 

Als mein Großvater mit 65 Jahren in Rente ging, war ich 12 Jahre alt. In meinen Augen war mein Opa ein sehr alter Mann und hatte eigentlich das Leben hinter sich. Sein Lebensinhalt drehte sich nur noch um Haus und Hof.

Als mein Vater mit 60 Jahren in den Ruhestand ging, war er für mich gefühlt deutlich jünger und aktiver. Er beschäftigte sich nicht nur an der Erhaltung unseres Anwesens,er kümmerte sich auch aktiv um dessen Verschönerung und Modernisierung. Nach einem Aktivurlaub wurde bereits der nächste geplant. Neugier nach Kunst und Kultur war und ist bis heute sein Motor. Mit dem Beginn der „neuen (digitalen) Mode“ war seine neue Leidenschaft geweckt: googeln, e-mailen, onlinebanking und skypen waren für ihn bald keine Fremdworte mehr. Mittlerweile ist  mein Vater Ende 80, hat einige körperliche „Zipperlein“ aber immer noch als aktiver Autofahrer auch auf längeren Strecken unterwegs und natürlich aktiver digitaler user im Internet.

Lediglich 30 Jahre liegen zwischen dem heutigen aktiven Lebensstil meines Vater‘s zu dem meines Großvaters. Die Aktivitäten im sogenannten fortgeschrittenen Alter haben sich in meiner Familie deutlich gewandelt. Und wenn man mich als Enkel und Sohn mit 66 Jahren auf der Uhr fragt,  dann würde ich natürlich nicht von „Alter“ sprechen. Ich würde von einem „reifen 40er“ sprechen, der lediglich graue Haare, ein paar Falten im Gesicht und eine verstärkte Taille hat.

Das 3. Drittel des Lebens zum Frühling des Lebens machen, neugierig sein, etwas Neues wagen.

  • Mit Mitte 50 den sicheren Job oder sogar die Branche wechseln.
  • Mit 66 Jahren über die Alpen radeln
  • Mit 70 auf Weltreise gehen
  • Mit 66 Jahren über eine Onlineplattform wie z.B. Parship einen neuen Partner suchen und finden
  • Mit 75 noch aktiv mitten im Job stehen, weil man es will, weil man es kann und weil es Spaß macht
  • „60 ist das neue 40“

Das sind heute keine Einzelfälle:

 

Der oder die junge „Alte“

  • Mancher gönnt sich mit 66 Jahren, zu Beginn der Rente, endlich das völlig unvernünftige Cabrio
  • Einige wagen mit 66 Jahren endlich die Motorradtour in die Alpen, die sie immer schon mal unternehmen wollten
  • hat Lust auf einen neuen Kleidungsstil, legt sich endlich mal modische Klamotten, eine neue Frisur und ein schönes Outfit inklusive Makeup zu.
  • Der „Jungrentner“ entdeckt mit 66 Jahren Spielkonsolen wie Xbox oder PlayStation
  • Trägt eine apple-watch mit Neon-Armband am Arm
  • Hat Mut zu einer neuen Bindung und verbandelt sich eventuell als reifere Dame oder reiferer Herr mit einem/einer deutlich jüngeren Geliebten

….man ist bei den jungen „Alten“ an keinem Ort und vor nichts mehr sicher!

Das sollte auch die deutsche Politik langsam mal beachten…

Unser leider viel zu früh verstorbener Udo Jürgens war mit seinem Song, „mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ seiner  Zeit schon  weit voraus. Die kalendarische bzw. die biologische Uhr ist in unserer Generation nicht mehr so einfach abzulesen. Sie wird immer individueller, die „Uhrzeit“ verschiebt sich meist deutlich nach vorne.

Das Altern war bisher ein ziemlich linearer Prozess mit bekannt jähem  Ende, so verläuft das Altern heute viel langsamer, angenehmer und irgendwie toleranter – die Menschen bleiben weltweit länger jung, aktiv und stellen eine enorm große Lobby dar.

Wahrscheinlich spielt bei den, zumeist Nachkriegsgeborenen  der medizinische Fortschritt, das Wissen um gesündere Lebensweise, bessere Ernährung und die oft weniger schwere körperliche Arbeit eine entscheidende Rolle. Statistiker haben errechnet, dass der Mann noch ca. 17 und die Frau noch ca. 21 Lebensjahre nach der Verrentung vor sich haben. Diese Zeit sollte jeder bewusst nutzen und mit  innerer Zufriedenheit ausfüllen.

Für mich heißt die Formel: ein längeres, gesundes und zufriedenes Leben! Umsichtig und achtsam das Freiheitsgefühl im dritten Lebensabschnitt ausleben. Das ist nämlich nicht nur der Jugend vorbehalten.

Man könnte auch sagen: rechtzeitig die Reset -Taste drücken, dann auf Neustart gehen.

Den Wunsch haben wahrscheinlich viele in unserer Generation, dazu braucht es natürlich etwas Mut und den haben wir. Wir haben es schließlich auch bis hierhin geschafft!

 

Zum Schluss noch ein kleiner Ausflug in die Statistik; die Quellen sind das Statistische Bundesamt und KfW-Gründungsmonitor

  • 2016 waren 17.5 Millionen (von 82 Mio) Bundesbürger über 65 Jahre alt, das sind also rund ca. 21% und somit jeder fünfte Bundesbürger
  • 2030 wird jeder vierte Bundesbürger über 65 Jahre alt sein, das sind ca. 25% der Bevölkerung.
  • 2060 sind es 33% , also jeder dritte Bundebürger ist dann über 65 Jahre alt.
  • Erwerbstätige Menschen zwischen 65 und 69 Jahre:

2007 waren es 7,1% – 2017 waren es bereits 16,1%

  • 1/3 der Selbständigen zwischen 65 und 74 arbeiten noch
  • 42% der Gasthörer an deutschen Hochschulen sind 65 Jahre alt oder älter
  • Für über 65 – Jährige gilt:
  • 57% nutzen einen PC
  • 47% sind regelmäßig online
  • 87% nutzen ein Mobiltelefon bzw. Smartphone
  • Jede 10. Firmenneugründung wird von einem Chef über 55 Jahre gestartet, Tendenz steigend.
  • Bundestagswahl 2017: Die über 60-Jährigen stellten mit 22,4 Millionen Pesonen mehr als ein Drittel (36%) aller Wahlberechtigten dar! Das waren mehr als doppelt so viele wie die Generation der unter 30-Jährigen. Ältere gehen übrigens auch regelmäßiger zur Wahl.
  • Zahlen und Tendenzen, die für sich sprechen!

Mit 66 Jahren könnte man doch den Hebel nochmals umlegen und über seine Zukunft nachdenken!

 

Ganz zum Schluss möchte ich es mit Erich Kästner halten:

 

Es gibt nicht Gutes, außer man tut es!

Dieser Musiktitel trifft es auch:

Don’t worry, be happy ….

Oder in der Jugendsprache:

…..voll krass – hau rein !