Die Landesverkehrswacht Niedersachsen e.V. bietet ein Weiterbildungsprogramm für Senioren an.

Wie kommen Senioren 50 Jahre nach dem Führerscheinerwerb im heutigen Straßenverkehr zurecht?

„Fit im Auto“, das richtige Training für sicheres Autofahren im Alter.

In Zusammenarbeit mit

  • dem Niedersächsischen Fahrlehrerverband
  • dem Niedersächsischen Verkehrs- und Innenministerium
  • der Polizei in Niedersachsen

Die rund fünfstündige Weiterbildung wendet sich an Autofahrer im fortgeschrittenen Alter, die auf individuelle Mobilität und Sicherheit im Straßenverkehr Wert legen.

Mobilität ist immer ein wichtiges Thema, gerade im Alter und besonders in ländlichen Gebieten. Dort wo z.B. ärztliche Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten, der Friseur u.s.w. immer öfter zur Mangelware werden. Der älter werdende Mensch ist zwangsläufig immer länger auf seinen fahrbaren Untersatz angewiesen.

Die Polizei stellt fest, dass die Unfallhäufigkeit in der Seniorengruppe deutlich zugenommen hat. Die Unfälle ereignen sich vermehrt im innerstädtischen Bereich, dort ist die ältere Generation häufig unterwegs. Hier sind Ärzte, Apotheken, Optiker, Drogerien, Banken, Lebensmittel- und Textilgeschäfte zu finden. Der Senior ist dort anzutreffen, wo er möglichst viele Besorgungen bequem erledigen kann, also entweder ebenerdig oder über Rolltreppe und Aufzüge.

Genug der Vorrede, ich habe mich angemeldet und ich war gespannt, was mich erwartet. Mit 30 Euro war ich dabei, weitere 30 Euro steuert dankenswerterweise die Region Hannover für die Verkehrssicherheit zu.

Pünktlich um neun Uhr begann die kurze und launige Einführungsrede des Vertreters der örtlichen Verkehrswacht. Er vermittelte den 12 Teilnehmern (von Mitte 60 bis Ende 80) den Tagesablauf und die Ziele der Weiterbildung. Der Teilnehmer sollte seine Stärken und Schwächen im Umgang mit seinem Fahrzeug erkennen und seine persönlichen Erkenntnisse daraus gewinnen. Eine Reglementierung, das wurde mehrmals erwähnt, sollte nicht stattfinden.

Eine Polizeibeamtin, die hauptsächlich in der Verkehrserziehung tätig ist, zeigte in einer Diaschau schwierige Verkehrssituationen, anhand derer einige „neue“ Verkehrsregeln lebendig besprochen wurden. Die meisten Teilnehmer haben ihren „grauen Lappen“ in den 50er, 60er oder 70er Jahren erworben!

Die Hauptthemen waren

Vermeidung gefährlicher Situationen

Sehhilfen und Hörgeräte

Allgemeine körperliche Fitness

Mentale Fitness, das heißt, up to date bleiben

Nutzung der modernen Fahrzeugtechnik

Unfallflucht

Verkehrszeichen und Verkehrsregeln

 

Insgesamt war es ein sehr informativer Beitrag, die Teilnehmer konnten sich aktiv beteiligen, die Fragen wurden geduldig und fachkundig beantwortet.

 

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden praktische Fahrübungen angeboten.  

  • Fahren im Stadtverkehr mit Automatik- oder Schaltwagen – je nach Wunsch
  • Bremsübungen auf einer Straße ohne Verkehr

Die praktische Fahrübung in der Stadt wurde in Fahrschulwagen mit erfahrenen Fahrlehren durchgeführt. Die Bremsübungen begleitete ein Fahrsicherheitstrainer der Verkehrswacht.

Während der Stadtfahrten gab es für den jeweiligen Fahrer situationsbedingt Hilfestellungen und Hinweise durch den Fahrlehrer. Im Anschluss an die ca. ½ stündige Fahrt gab es ein Feedback vom Fachmann. Die jeweilige Fahrt wurde direkt im Anschluss analysiert und bewertet. Die Schlüsse daraus waren den Fahrern selbst überlassen, was ich als sehr angenehm empfand.

Der in der Theorie mehrmals angesprochene Grundsatz der gesamten Veranstaltung

Jeder Fahrer ist für sich selbst verantwortlich, der Fahrer entscheidet über seine Teilnahme am Straßenverkehr und trägt natürlich auch die Verantwortung“

wurde vom Fahrtrainer nochmals beim persönlichen Feedback angesprochen.

 

Im nächsten Praxisteils standen Bremsübungen auf dem Programm und zwar die Vollbremsung aus ca. 40 km/h. Klingt einfach, ist es aber in der Realität nicht. Als Fazit haben die Teilnehmer festgestellt, dass einige (manchmal sogar viele) Meter Bremsweg bei einer Notbremsung verschenkt worden wären. Entweder war die Bremsung nicht beherzt genug oder aus anderen Gründen heraus nicht optimal. Hier wurde individuell Abhilfe gesucht.

Die Hauptursache für teils schwache Bremsleistung hatte weniger mit der Fahrzeugtechnik zu tun, sondern, man muss es klar ansprechen, mit dem Fahrer!

Der Fahrer hatte oft nicht den richtigen Abstand zu den Pedalen und zum Lenkrad. Mit gestecktem rechten Bein lässt sich kein optimaler Druck auf das Bremspedal aufbringen. Bei der Gelegenheit wurde auch vom Trainer die Sitzposition des Fahrers unter die Lupe genommen. Bei fast jedem der Teilnehmer blieb „Luft nach oben“ für eine Optimierung des Bremsweges. Das bestmögliche Anlegen bzw. der Verlauf des Sicherheitsgurtes war sehr oft Gesprächsthema.

Mancher Teilnehmer war nach mehrmaligem Wiederholen der Bremsübungen erstaunt, wie der Anhalteweg mit einer optimalen Bremstechnik verkürzt werden kann.

Die Fahrübungen, im Stadtverkehr und auf einem verkehrsberuhigten Parkplatz, zeigten den Teilnehmern den Stand des persönlichen Fahrkönnens.

Der Abschuss wurde nochmals vom Vertreter der örtlichen Verkehrswacht moderiert. Die aus Fahrschulzeiten bekannte „WOLKE“ wurde in Auszügen bemüht, zur Erinnerung:

  • Wasser
  • Öl
  • Luft
  • Kraftstoff
  • Elektrik

Eine im Anschluss geführte lebhafte Diskussion – natürlich zu „Autothemen“- zeigte das Interesse der Teilnehmer an der Verkehrssicherheit und der individuellen Mobilität im Alter. Die Anwesenden dankten den Moderatoren mit Beifall für die fachkundige und interessant gestaltete Veranstaltung. Zum Abschluss gab es für jeden eine Teilnahmebestätigung und reichlich Infomaterial zu Verkehrssicherheitsthemen.

 

Informationen zum Seminar bei den örtlichen Verkehrswachten oder im Internet unter www.fit-im-auto.de