Wie transportiere ich meinen Rollstuhl?

Körperliche Behinderung durch Krankheiten, Alter oder Unfallfolgen müssen kein Grund für eine eingeschränkte automobile Mobilität sein!

Die bisher bevorzugten Fahrzeugtypen heißen z.B. Golf, Astra, Focus, C-Klasse oder 3er. Um „mobil“ zu „bleiben“ könnte z.B. in Zukunft Caddy, Combo, Tourneo Courier, Kangoo, Rifter oder Citan Tourer auf dem Heck stehen.

Körperliche Einschränkungen sind noch lange kein Grund für den Verzicht von Mobilität und Freiheit. Die täglichen Besorgungen und Wege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln werden zu einer Herausforderung. Urlaubsreisen und Ausflüge müssen akribisch geplant werden. Die Fahrten mit dem gewohnten Familienwagen fallen immer schwerer, weil „normale“ PKW`s nicht für Menschen mit einem körperlichen Handikap gebaut werden. Und…….Hand aufs Herz, ein sicheres Fahren ist auch nicht mehr durchgehend gewährleistet. Dies fängt mit dem Einsteigen- und Aussteigen in den Wagen an und endet mit der Übersicht nach hinten beim Rückwärtsfahren.

 

Der Gesetzgeber sagt:

Wer sich infolge körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen nicht sicher im Verkehr bewegen kann, darf am Verkehr nur teilnehmen, wenn Vorsorge getroffen ist, dass er andere nicht gefährdet. Die Pflicht zur Vorsorge, namentlich durch das Anbringen geeigneter Einrichtungen an Fahrzeugen, durch den Ersatz fehlender Gliedmaßen mittels künstlicher Glieder, durch Begleitung oder durch das Tragen von Abzeichen oder Kennzeichen, obliegt dem Verkehrsteilnehmer selbst oder einem für ihn Verantwortlichen.

 

Das bedeutet, dass jeder Verkehrsteilnehmer selbst für sich verantwortlich ist, um sicher am Straßenverkehr teilzunehmen. Die Devise heißt, mobil bleiben!

Niemandem kann die Fahrerlaubnis entzogen werden, nur weil er unter körperlichen Einschränkungen leidet. Der Fahrer alleine muss vorsorgen, dass z.B. durch Ein- oder Umbauten am Fahrzeug ein sicheres Fahren gewährleistet wird.

 

Firma Individual Automobilsysteme in Hannover

Hier sind Spezialisten für Aus- und Umrüstung von Automobilen am Werk. Diese Firma hat Fahrzeugumbauten entwickelt, dass Fahrer sowie auch Beifahrer trotz eingeschränkter Gehfähigkeit oder kompletter Gehunfähigkeit mobil bleiben.

Bei der Firma Individual Automobilsysteme in Hannover wurde ich fündig. Ich möchte Ihnen heute ein Fahrzeug vorstellen, das sich besonders für Menschen mit einem Handikap eignet, weil es sich durch den speziellen und individuellen Einbau bzw. Umbau für Menschen mit körperlichen Einschränkungen empfiehlt.

 

Das Basismodell: Der Volkswagen Caddy:

Motorisierung: Diesel, Erdgas, Super bleifrei von 55kW bis 96kW mit 5-Gang Schaltgetriebe oder 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe

Lackierung: 2 Uni-Lackierungen, 12 Metalliclackierungen

Ausstattungsliste: von „A“ wie „Abfallbehälter“ bis „Z“ wie „zusätzliche Karosseriemaßnahmen gegen Steinschlag“ – keine Wünsche bleiben offen!

 

Die Firma Individual Automobilsysteme hat beim Umbau dieses Autos hauptsächlich an Menschen gedacht, die z.B. altersbedingt oder durch Unfall gehbehindert oder sehr stark gehbehindert sind und den Wagen als Selbstfahrer oder Beifahrer nutzen wollen.

Bei dem Testwagen handelt es sich um einen Volkswagen Caddy Maxi Comfortline, der mit einem elektrisch nach außen schwenkbaren Beifahrersitz ausgerüstet ist. Der Wagen ist hauptsächlich für Menschen entwickelt worden, die einen Rollstuhl, einen elektrischen Scooter oder einen Rollator nutzen. Natürlich sind in dem Testwagen noch weitere interessante Features für Vorführzwecke eingebaut.

Unser Testwagen, der Caddy Maxi, kann sowohl von Menschen gefahren werden, die komplett auf den Rollstuhl angewiesen sind, als auch von Personen, die noch eingeschränkt gehfähig sind. Unser Caddy eignet sich für Selbstfahrer und Beifahrer.

 

Mobil bleiben durch schwenkbaren Fahrer– oder Beifahrersitz

Der besagte Caddy ist mit einem komplett elektrisch nach außen schwenkbaren und noch zusätzlich absenkbaren Beifahrersitz ausgerüstet.  Der Mitfahrer oder die Mitfahrerin kann außerhalb des Fahrzeugs entweder auf den Rollator, den elektrischen Scooter oder den Rollstuhl wechseln. Ein oft sehr mühevolles Wechseln aus dem Auto heraus auf einen bereitgestellten Rollstuhl oder Scooter entfällt. Mit etwas mehr technischem Aufwand kann auch der Fahrersitz zum elektrischen Schwenksitz umgebaut werden.

Mobil bleiben durch praktische Ladehilfe für Rollstuhl oder Scooter

Eine weitere Finesse dieses von mir getesteten Caddys versteckt sich hinter der Heckklappe des Wagens. Auf der in Fahrtrichtung rechten ist ein schmal bauender ebenfalls elektrischer Kran eingebaut, der als zusätzlicher „Helfer“ entweder den Rollstuhl oder den Scooter aus dem Kofferraum holt oder ihn wieder sicher im Kofferraum verstaut. Die, wie ich meine, filigrane Hebemaschine kann mit einer Fernbedienung Lasten bis zu ca. 150 kg aus dem Kofferraum heben und wieder zurückstellen.

Dies bedeutet, dass der gehbehinderte Selbstfahrer oder Beifahrer evtl. mit seinen Gehstöcken lediglich die wenigen Meter bis zum Kofferraum zurücklegen muss, um dann mithilfe des Krans den Rollstuhl

 

oder den Scooter zu entladen und sich dann ohne fremde Hilfe weiterbewegen kann. Das mühevolle Entladen des zerlegten Rollstuhls (vom Fahrersitz aus) und das Aufklappen und das Zusammensetzen des Rollstuhls entfällt.

 

Mobil bleiben – der gehbehinderte Beifahrer oder Selbstfahrer hat wieder ein Stück Selbständigkeit zurückerhalten!

 

Der große Vorteil bei dieser Fahrzeugzusatzausrüstung:

  • Das Fahrzeug ist nahezu serienmäßig
  • Werksgarantien bleiben erhalten
  • Der Caddy hat je nach Ausstattung fast die Anmutung eines normalen PKW
  • Sonderausstattungen möglich, wie bei einem PKW
  • Automatik, Klimaautomatik, LED-Licht, Fahrassistenten, Navigation und und und
  • Günstiger Anschaffungspreis bzw. Finanzierungsrate
  • Das Fahrzeug ist als „2-Sitzer“ und als „5-Sitzer“ nutzbar
  • Viel Platz trotz Rollstuhl (Scooter) und Kran für z.B. Urlaubsgepäck und Hund
  • Preisgünstiger Einbau von z.B. Schwenksitz und Ladekran
  • Fahrzeugmaße wie ein PKW aber viel Kopffreiheit, daher sehr wendig
  • Der Wagen lässt sich später wieder zum „Original“ zurückrüsten und kann als „normaler Gebrauchter“ verkauft werden

 

Weitere Sonderausstattungen bzw. Einbauten

Der Caddy ist mit einem leicht bedienbaren Doppelkupplungsgetriebe (Automatik) ausgestattet, dies schaltet „butterweich“ und sorgt für sparsamen Spritkonsum.

Der Wagen wurde für Selbstfahrer mit einem Handbediengerät ausgerüstet, das bedeutet: Die Beinarbeit mit Brems- und Gaspedal übernimmt das Handbediengerät. Es handelt sich hier um ein sogenanntes Drück- Drehsystem. Durch das Schieben des Hebels nach vorne wird der Wagen abgebremst und durch leichtes Drehen des Griffs wird der Wagen beschleunigt.

Der Vorteil dieser Fahrhilfe ist, wenn die Beine „nicht mehr so wollen“, übernimmt Arm und Hand die Funktion von Bein und Fuß. Der Fahrer nimmt wieder sicher am Straßenverkehr teil.

Zur Unterstützung gibt es noch einen Lenkradknauf für die extra leichtgängige Lenkung. Von hier aus werden Funktionen wie Blinken, Licht ein/aus, Fernlicht ein/aus und Scheibenwischer gesteuert.

 

Mobil bleiben: Erlebnisbericht – Gasgeben und Bremsen mit einem Handbediengerät

Der Tester ist „Beinarbeiter“ für Gas und Bremse, er hat schon mal das Handbediengerät ausprobiert und die Beine „weggepackt. Bereits nach ein paar Minuten konnte die Testperson ein sanftes und gezieltes Bremsen auch bis zum Stand ruckfrei ermöglichen. Das Gasgeben mit der Hand am Drehgriff hat nach kurzer Eingewöhnung sogar Spaß gemacht.

Im Blick auf die Verkehrssicherheit war der Tester über lange Reaktionszeiten von einer Seniorengruppe erstaunt, die bei „Zielbremsübungen“ Gas und Bremspedal mit den Füssen bedienten. Es hat nicht selten sehr lange gedauert, bis der Wagen nach einer „Vollbremsung“ zum Stillstand kam. Bei Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen oder körperlichen Einschränkungen könnten wahrscheinlich wesentlich kürzere Anhaltewege erreicht werden. Durch mehr Körperkraft in den Armen und Händen könnte das Handikap mit Beinen und Füssen ausgeglichen werden! Das Handbediengerät ist leicht und intuitiv zu bedienen und sieht auch noch gut aus!

 

Mobil bleiben mit dem eigenen „Heiligs Blechle“ – Fahrspaß im Caddy

Zum Schluss ein paar Worte zum Fahren mit dem Volkswagen Caddy. Wir wollen ja nicht nur mit unserem Auto von A nach B fahren, wir wollen auch Fahrspaß und wollen uns in unserem „Heiligs Blechle“ wohlfühlen.

Um es kurz zu machen, man fühlt sich wohl im Caddy. Der Innenraum mutet fast an wie ein Personenwagen, man könnte auch in einem Golf, Astra oder Focus sitzen…..nur ist im Caddy der Innenraum höher, der ein tolles Raumgefühl vermittelt. Die Sitze sind höher, der Fahrer und Beifahrer sitzen aufrechter und haben aus meiner Sicht eine sehr gute Rundumsicht. Dies macht sich beim Fahrer durch besseres vorausschauendes Fahren bemerkbar.

 

Durch die besonders leichtgängige Lenkung (Sonderausstattung) lässt sich der Wagen spielend und agil auch um enge Kurven in der Stadt dirigieren. Einparken und Rangieren wird zum Kinderspiel. Dazu tragen auch die extra großen Außenspiegel bei, der Fahrer orientiert sich beim Rückwärtsfahren auf einen Blick an Bordsteinen oder Parkplatzmarkierungen. Gerade Seitenflächen und der fast senkrechte Heckabschluss erleichtern das Einparken.

Die Geräuschkulisse beim Fahren ist durch Innen- und Dachverkleidungen mit einem PKW zu vergleichen.

In der Stadt ist der Caddy ein wendiger, agiler und übersichtlicher Wagen. Auf Landstraße und Autobahn, bietet er nicht nur eine neu gewonnene Mobilität, sondern auch Fahrspaß, den man auf Ausflügen oder auf Urlaubsfahren erwarten kann.

 

Mobil bleiben mit Individual Automobilsysteme – freundlich und kompetent

Noch ein Wort zur Firma Individual Automobilsysteme.

Die Firma finden wir in Hannover. Die Firma Individual Automobilsysteme bietet wirklich individuellen Service – hat super freundliche und kompetente Mitarbeiter, die sich auf die Belange jedes Kunden einstellen und nicht von Problemen sprechen, sondern sich um individuelle Lösungen kümmern. Dies habe ich bei mehreren Besuchen zur Recherche für diesem Bericht in der Firma festgestellt.

Der Testwagen wurde mir nach umfassender Einweisung zur Verfügung gestellt. Dafür Danke!

Sollten Sie Ansprechpartner zu dem Thema Mobilität im Alter oder mit Behinderung suchen, wenden Sie sich gerne an: redaktion@mit66jahren.de