Moderne und junggebliebene Senioren von heute können sich ein Leben ohne Auto fast nicht mehr vorstellen!

Wir Ruheständler sind in der Zeit des berühmten Wirtschaftswunders groß geworden und sind ganz selbstverständlich mit dem „Auto für jedermann“ mobil geworden.

Man hörte schon von Weitem am Fahrgeräusch ob das herannahende Auto ein französischer Peugeot, ein Opel Rekord, eine BMW Isetta, ein Goggomobil von Glas,  ein Volkswagen Käfer  oder sogar ein T1 Bulli war!

 

Jeder erinnert sich noch an seinen ersten „fahrbaren Untersatz“, auf den er damals so stolz war und mit dem er so viel erlebt hat. Viele von denen, die in den 1950ern und 1960ern angefangen haben zu fahren, sitzen heute immer noch gerne hinter dem Lenkrad ihres eigenen Wagens. Die heutigen Senioren sind die erste Generation, die vom Auto und der automobilen Mobilität geprägt wurden.

 

 

Ich erinnere mich noch genau an unsere Sonntagsausflüge mit dem ersten Wagen meiner Eltern. An den ersten Urlaub im Allgäu und dann „sogar“ über die Alpen nach Italien.

 

 

 

 

 

In meiner Generation (ich spreche von mir) war klar, Schule – Ausbildung – Führerschein (mit 17 Jahren und 9 Monaten) – eigenes Auto, das waren angestrebte Etappenziele, die es zu erreichen galt.

Anfangs war mein Käfer das Statussymbol, mit dem eigenen Auto statt mit dem Omnibus ins Büro! Später, etwas komfortabler, als Familienkutsche für Alltag und Urlaub, als bequemes und sportliches Verkehrsmittel für Beruf und Freizeit. Im Ruhestand bringt uns das Auto zum Arzt, zum Einkaufen, zu Freunden, in den Urlaub und zu Sehenswürdigkeiten in der Umgebung.

Das Auto trägt dazu bei, unsere Lebensqualität wesentlich zu verbessern und bestätigt uns, oft trügerisch, immer noch jung zu sein.

In der Altersklasse +/- 80 fährt noch ca. fast jeder dritte Ruheständler mit dem eigenen Auto!

Das ist in erster Linie schön, wenn man im Alter noch mobil ist, das Leben fast uneingeschränkt genießen kann und zudem auch gesundheitlich in der Lage ist, Auto zu fahren.

Hand aufs Herz, wir Senioren sind auch Spezialisten beim Kaschieren kleinerer Handicaps.

Wir vermeiden es, im dichtesten Berufsverkehr unterwegs zu sein, suchen „optimale und stressfreie“ Strecken durch den Großstadt-Dschungel, vermeiden Nachtfahrten und fahren eher langsamer um schwierige Verkehrssituationen besser meistern zu können.

Aus diesem Grund sind wir (meistens) „Kavaliere der Straße“

Wir

  • nehmen Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer
  • fahren defensiver
  • fahren weniger risikofreudig
  • riskieren keine forschen Überholmanöver
  • fahren auf der Autobahn nicht permanent links (oder leider manchmal doch)
  • gewähren mal anderen „großzügig“ Vorfahrt (auch aus Unsicherheit)

Wir älteren Menschen sind sehr geschickt, altersbedingte Defizite auszugleichen. Wir machen aus unseren kleinen körperlichen Mängeln eine Tugend.

Dies alles ist uns natürlich nicht angeboren, wir machen das natürlich auch, um unsere „klitzekleinen“ Schwächen zu kompensieren, denn

  • unser Sichtfeld ist kleiner geworden
  • unsere Sehschärfe hat abgenommen
  • unser Hörvermögen lässt nach
  • unsere Beweglichkeit in Hals und Nacken ist eingeschränkt
  • unsere „Leidenszeit“ auf längeren Fahrten hat abgenommen
  • unsere Konzentration und Reaktionszeiten lassen nach

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Nach der Unfallstatistik des statistischen Bundesamtes von 2017 waren bei PKW- Unfällen, bei denen ein „Fehlverhalten des Fahrers“ festgestellt wurde

Fahrer zwischen:

                                   18 bis 21 Jahren an  9,17% der Unfälle beteiligt

                                   21 bis 25 Jahren an  9,68% der Unfälle beteiligt

                                   25 bis 35 Jahren an 19,48% der Unfälle beteiligt

                                   65 bis 75 Jahren an  7,34%  der Unfälle beteiligt

                                  über 75 Jahren   an  7,86%  der Unfälle beteiligt

Das bedeutet, dass Senioren ab 65 Jahren in Relation immer noch weniger Unfälle verursachen als Fahrer in den „Sturm- und Drangzeiten“ bis 35 Jahren. Nicht außer Acht lassen sollte man, dass in zunehmendem Alter die Unfallhäufigkeit ab Mitte 70 in der Gesamtzahl wieder zunimmt, also Unfälle mit Seniorenbeteiligung!

Während bei jüngeren Autofahrern nicht angepasste Geschwindigkeit, Abstandsdelikte, Alkohol und Drogen häufige Unfallursachen sind, finden wir hingegen bei Senioren Fehler bei Vorfahrt und Vorrang sowie falsches Verhalten gegenüber Fußgängern als Hauptunfallursachen.

Die Unfallstatistik spricht generell für die Fahrtauglichkeit der Senioren!

Das bedeutet für mich, dass sich die ältere Generation auf die veränderten Befindlichkeiten einstellt. Das heißt – wir bauen auf

  • Jahrzehnte lange „Fahrerfahrung“
  • Unseren defensiveren Fahrstil
  • Unser vorausschauendes Fahren
  • Unsere Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer
  • Angepasste Geschwindigkeit

Wie bereits mehrfach erwähnt, kompensiert der ältere Mensch seine Einschränkungen mit anerzogenen und oft geübten Stärken um sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen.

Bei Erkrankungen wie z.B. Parkinson, Diabetes, Herzrhythmusstörungen, nach einem Schlaganfall oder Atemaussetzer bei Nacht sollte man allerdings über geeignete Maßnahmen nachdenken.

 

Der Gesetzgeber sagt:

Wer sich infolge körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen nicht sicher im Verkehr bewegen kann, darf am Verkehr nur teilnehmen, wenn Vorsorge getroffen ist, dass er andere nicht gefährdet. Die Pflicht zur Vorsorge, namentlich durch das Anbringen geeigneter Einrichtungen an Fahrzeugen, durch den Ersatz fehlender Gliedmaßen mittels künstlicher Glieder, durch Begleitung oder durch das Tragen von Abzeichen oder Kennzeichen, obliegt dem Verkehrsteilnehmer selbst oder einem für ihn Verantwortlichen.

 

Jeder Verkehrsteilnehmer, ob jung oder alt, ist selbst für sich verantwortlich, es muss nur sichergestellt werden, dass er auch sicher am Straßenverkehr teilnehmen kann.

 

Keinem Autofahrer darf also wegen körperlicher Einschränkungen die Fahrerlaubnis entzogen werden. Er muss aber sicherstellen, einen Mangel  durch geeignete Maßnahmen auszugleichen. Praktisch bedeutet dies z.B. das Tragen geeigneter Augengläser (Brille) oder eines Hörgerätes. Eventuell müssen sogar spezielle Ein- oder Umbauten am Fahrzeug vorgenommen werden.

Der „Senior-Fahrer“ muss sich um seinen körperlichen (und natürlich seinen geistigen) Zustand kümmern! Scheuen Sie sich daher nicht, rechtzeitig von Spezialisten Tipps und Meinungen einzuholen.

  • Sprechen Sie von sich aus bei Ihrem Hausarzt das Thema Autofahren an! Jeder Arzt wird begrüßen, dass Sie sich Gedanken darüber machen
  • Lassen Sie jährlich ihr Sehvermögen von einem Augenarzt prüfen
  • Lassen Sie regelmäßig ihr Gehör prüfen, viele Informationen aus dem Straßenverkehr nehmen sie über das Ohr auf
  • Lassen Sie sich von ihrem Apotheker über das Zusammenspiel der Arznei im Blick auf die Fahrtüchtigkeit aufklären, evtl. kommen Alternativmedikamente in Frage. Verschiedene Medikamente müssen keine Einschränkung auf die Fahrtüchtigkeit haben, im Gegenteil, sie können sich sogar positiv auf die Fahrsicherheit auswirken.

Hausärzte bedauern, dass viele ältere Patienten das Thema „Autofahren“ so ungern ansprechen. Dabei könnten beide gemeinsam Möglichkeiten für geeignete Maßnahmen finden, um sowohl gewohnte Freude am Fahren als auch die geliebte Mobilität zu erhalten. Eine Möglichkeit wäre, sich von einem erfahrenen Fahrlehrer über „neue“ Verkehrsregeln aufzuschlauen, sich evtl. vor Ort z.B. über das Befahren von Kreisverkehren zu informieren. Es gibt sogar Fahrschulen, die nach Wunsch und Bedarf spezielle Kurse für ältere Autofahrer anbieten.

Deutsche Verkehrswacht

Ebenso wird z.B. von der Deutschen Verkehrswacht eVregional ein Halbtageskurs „Fit im Auto“ für ältere Autofahrer angeboten. Nach einer theoretischen Einweisung zu Neuerungen im Straßenverkehr hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, sein Fahrkönnen im Straßenverkehr und auf abgesperrtem Terrain einem erfahrenen Fahrlehrer zu zeigen und bekommt entsprechende Rückmeldung. Der Autor hat diesen Kurs besucht, den Bericht finden Sie hier im Blog unter „Mobilität“ – „fit im Kopf und fit im Auto“

 

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Der ADAC nennt das Training für Senioren Generation Plus-Traininges handelt sich um ein ganztägiges Training. Es werden Fahrtechniken im Gefahrensituationen geübt wie Bremsen und Ausweichen vor plötzlich auftauchenden Hindernissen. Es wird auf eventuelle körperliche Einschränkungen und deren Kompensation eingegangen. Wie können die „elektronische Helferlein“ auch das Fahren im Alter noch sicherer machen. Die Kurse werden bundesweit auf den Fahrsicherheitsanlagen des ADAC durchgeführt. Interessant: Die Trainingstermine werden nach Möglichkeit so gelegt, dass die An- bzw. Abfahrt zeitlich nicht gleichzeitig mit dem Berufsverkehr erfolgt.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        

„Wer rastet rostet“ dieses uralte Sprichwort hat beim Thema Autofahren vielleicht einen besonderen Sinn.

Wer einmal aufgehört hat oder aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste zu fahren, kommt nur schwer wieder in die „Gänge“. Jedermann hat den Wunsch nach möglichst uneingeschränkter Mobilität – man muss etwas dafür tun um beweglich zu bleiben:

 

 

 

üben – üben – üben!

 

Oder um es mit Erich Kästner zu sagen: Es gibt nichts Gutes außer man tut es.

 

(Eigentlich wurde dieser Spruch Seneca (röm. Philosoph 1 – 65 nach Chr. und (Fahrtrainer 😊) zugeschrieben.

 

Bleiben Sie „automobil“ – so lange Sie dies können und in der Lage sind, ihr Auto sicher zu bewegen. Seien sie aber auch selbstkritisch und hinterfragen sie sich, wann es Zeit wird, den „grauen Lappen“ freiwillig abzugeben.

 

Bildquelle: „Unser erstes Auto“ von Reinhard Bogena erschienen im Wartberg Verlag