Mit den BMW – Oldies, einer R 1100 RS und einer R 1150 R im Spätsommer nach Südtirol

1. Tag: ein Erlebnis

Erster: ja

Zweiter: reichlich

Dritter: reichlich

Vierter: auch

Fünfter: selten

 

…das sind die Gänge, die Kai und ich auf unserer Pässetour durch Südtirol hauptsächlich mit unseren betagten BMW-Motorrädern beansprucht haben.

Aber der Reihe nach: mein Nachbar Kai und ich, wir beide sind Neurentner! Erst seit knapp einem Jahr im Unruhestand. Wir haben uns längst verständigt: „Wenn wir mal in Rente sind, haben wir endlich Zeit für unser gemeinsames Hobby, Motorradfahren.  Mit Motorradfahren dachten wir nicht an eine Tagestour in den Harz oder ins Weserbergland, woran unsere Frauen eher glaubten. Nein, eine Männertour über eine Woche sollte es sein. Unser Ziel war auch schnell festgelegt, Südtirol mit allem, was dazu gehört. (Unsere Frauen glaubten immer noch an das Weserbergland – „man (Frau) wird schon sehen“).

 

Ein Mann ein Wort:

Ziel ist Tramin-  in der ersten Septemberwoche.

Die An- und Abreise wurde geplant und die vier Tagestouren wurden von uns grob umrissen. Wir konnten uns, dank der Unterstützung eines motorradbegeisterten Kumpels namens Henning, dem an dieser Stelle ein großes Dankeschön vermittelt sei, einen super hydraulisch absenkbaren Motorradanhänger ausborgen.

Sonntagmorgen, pünktlich um 05.00 h (ein Mann ein Wort) ging die Reise los, das Navi sagte: Fahrzeit 8 Stunden, die Realität waren 15 Stunden, offensichtlich wollten viele den Frühherbst im Süden verbringen. Um es vorweg zu nehmen, die Rückreise an einem Freitag mit dem Auto verlief ähnlich, auch 15 nervige Stunden auf der Autobahn mit Megastaus und Umleitungen auf Landstraßen. Aber was soll es, da muss „Mann“ durch!

 

 

Bei der Ankunft in Tramin, hat uns Frau Stürz, unsere reizende und stets besorgte Wirtsfrau, mit Ihrer umwerfenden Gastfreundschaft überwältigt. In Windeseile wurden unsere beiden Mopeds natürlich in die Privatgarage verfrachtet und unser Auto und unser Anhänger fanden auf den winzigen Parkflächen auf dem Hof einen sicheren Platz. Dann noch eine Empfehlung fürs Abendessen und eine Flasche Wein zur Begrüßung. Der erste Tag war gerettet……und wir geschafft!

Jede Motorradtour beginnt morgens mit einem Frühstück! So auch in Tirol – schon das ein Grund, dorthin zu fahren!  Um chronologisch vorzugehen, muss ich mit dem „Viertelgraunerhof – Frühstück“ beginnen. Alles was ein Frühstücksbuffet im 4 Sterne Hotel hergibt, wird an diesem Tiroler-Tisch serviert. Alles frisch, alles aus der Region, auch frische Himbeeren und der Knaller, gaaaanz frische Weintrauben aus dem privaten Weinberg 20 Meter hinter der Pension.

Und nun zu unserer ersten Tour, dem Einrollen, dem Warmfahren:

Gleich in der Frühe ging es über Söll von Ost nach West, über den Mendelpass mit einem Schwierigkeitsgrad von 2, das heißt, zweispurige Fahrbahn, i.d.R. gut ausgebaut, maximale Steigung von 15%, geeignet auch für Anfänger mit Fahrpraxis. Diese Fahrtrichtung bietet sich an, die Bergaufkehren auf dieser Route bieten mehr Fahrspaß.

Vorneweg, das Navi sollte man nicht aus Tramin heraus über Söll programmieren, denn Tramin liegt am Berghang, das heißt für uns Norddeutsche, steil wie ein Hausdach und Spitzkehren auf Holperstrecken. Man hört, es sollen schon Beulen und Kratzer am Motorrad und Tränen auf den ersten 200 m Weg gegeben haben.

Also besser über Kaltern fahren, dann links abbiegen Richtung Mendelpass.

Die Strecke über den Mendelpass ist ca. 36 km lang, bis zur Passhöhe auf 1363 Meter hat man durch Waldlücken einen wunderschönen Blick zurück auf das Etschtal. Uns ist der Blick nicht gelungen, wir waren ziemlich mit Fahren beschäftigt und konnten uns leider keinen Blick zurück leisten.

Die erste Erholungsetappe ging über Romeno, Sanzeno nach Dermulo. Verwundert haben mich die vielen orangen Briefkästen in den Ortsdurchfahrten, sie haben mich irgendwie an stationäre Blitzer erinnert, ich hoffe, ich bekomme keine Post aus Südtirol. In Dermulo geht es rechts Richtung Cis, dort links über die imposante Mostizzolo –  Brücke nach links Richtung Malè, die Brücke verbindet die Schlucht über den Strom Noce. Nach Dimaro geht es links ab und wird wieder kurvig. Die Straße ist schmal, für Wohnwagen gesperrt, aber gut ausgebaut.

Dann geht es wieder aufwärts zum Passo Campo Carlo Magno mit 1682 m. Der Name bedeutet “Feld von Karl dem Großen”, er soll auf dem Weg Richtung Süden über diesen Pass gezogen sein. Der Pass liegt dicht neben dem bekannten Skiort Madonna di Campiglio.

Weiter geht es über das Valle die Campiglio und das Val Rendena nach Tione di Trento im Val Rendena. Jetzt sind wir am südlichsten Zipfel der Tour angelangt, nun geht es wieder Richtung Norden Richtung Molveno. Nach dem Lago di Molveno legen wir eine kleine Rast bei Cappuccino und Mandelhörnchen ein. Nebenan im “Dolomiti Paganella Bike-Park” sehen wir die Downhill Biker schweißüberströmt, dreckverschmiert und völlig k.o. an der Talstation ankommen, kann man machen, muss es aber nicht.

Wir beschließen, das Wetter ist bis jetzt o.k., die Kondition auch o.k., nicht direkt zurück nach Tramin zu fahren, sondern unsere geplante Tagestour zu verlängern. Wir, „mit66jahren“, und der Tag sind noch jung. Nach Mezzolombardo geht es rechts über die Etsch und dann wieder rechts nach Lavis, dann links nach Lasès ins Valle di Cembra. Durch dieses kurvenreiche, mit herrlichen Weinbergen bewachsene Tal, fahren wir Richtung Molina. Leider hatte der Wettergott für diesen Abschnitt kein Verständnis, wir verfuhren uns mehrfach und der Himmel weinte. In Molina nach links Richtung Auer, wir lagen wieder auf Kurs. Über Kaltenbrunn und zum Schluss zum austrudeln noch ein paar Kehren vor Auer, dann über die Etsch und schon waren wir mittlerweile wieder trockengefönt in Tramin.

Die braven Mopeds in der Pensionsgarage verabschiedet, die Biker geduscht und landfein gemacht, machten wir uns auf den Fußweg zum “Hofschank zur Pergola”.

Den Weg zum Nachtmahl gingen wir natürlich zu Fuß und zwar durch den Weinberg. Kai und ich stellten nahezu gleichzeitig fest, noch nie im Leben zuvor durch einen Weinberg gegangen zu sein. In dieser Weinlage wird der berühmte Gewürztraminer angebaut. Also doppelte Sensation.

Der “Hofschank” ein Gartenlokal, genauer ein Weingartenlokal mitten im Weinberg. Kleine Speisekarte, aber ausschließlich Schmankerl aus der Region. Ich entschied mich für die Trisknödel, 3 Knödel mit Speck, Käse und vegetarisch gefüllt in einer Käsesoße, ein Gedicht! Und dazu Rotwein und wenig Wasser, damit muss man bekanntlich sorgsam umgehen. Bei der Gelegenheit lernten wir, dass der Trollinger aus Baden-Württemberg der „verschleppte Bruder“ des Vernatsch aus Südtirol ist. Logisch, Tirolinger können oder konnten damals die Schwaben nicht aussprechen, deshalb auf schwäbisch: Trollinger. Der Wein heißt bis heute so, zur späten Stunde nur noch Drollingr.

Mit diesem Wissen und genügend Bettschwere marschierten wir zurück in unsere Pension und hatten für heute richtig viel erlebt.

 

2. Tag, Gegensätze ziehen sich an

Für einen Urlaubstag sind wir schon recht zeitig aufgestanden, pardon – Rentner sind ja immer im Urlaub, aber wir haben heute allerhand vor.
Erstmal wird gut und ausgiebig gefrühstückt, dabei entsteht der Tagesplan.
Unser Ziel heißt: Sellajoch. Sollten wir danach noch über restliches Quantum Mumm in den Knochen verfügen, soll der von Insider Klaus empfohlene „Passo di Giau“ auch noch angefahren werden – mal sehen! Rein in die Klamotten, Helm auf, Maschinen gestartet und ab gehts.

 

Von Tramin über die Etsch, hoch auf die bekannte Straße, diesmal bergauf nach Kaltenbrunn, weiter nach Cavalese, dann nach Moena, den Torrente Avisio entlang nach Canazei. Hier erkennt man schon bei der Anfahrt, es handelt sich um einen besonderen touristischen Ort. Der Verkehr nimmt deutlich zu und Urlauber belagern zu Fuß das Städtchen.

Upps, der erste kleine Stau vor der Auffahrt zum Sellajoch, das hätte uns schon nachdenklich machen sollen, es wurde leider noch besser! Wir hatten den Eindruck, auf dem Stachus in München zu sein. Radfahrer jeglichen Alters und jeglichen Geschlechtes, ein großer Teil aller zugelassenen Wohnmobile, Busreisende aller Nationen, PKW`s und natürlich Schulausflüge von Motorradklassen gaben sich ein Stelldichein. Das bedeutet für den Biker, teilweise im Schritttempo „schlangefahren“- anhalten – Gegenverkehr abwarten – überholen wie bekloppt und das Ganze dann wieder von vorn. Auf der Passhöhe haben wir nicht angehalten, weil wahrscheinlich sowieso kein Platz für ein Moped gewesen wäre.
Nachträglich habe ich gelesen, dass der Pass vom 23.07. bis 31.08.2018 werktags von 09.00 Uhr bis 16.00 Uhr nur eingeschränkt für Motorfahrzeuge befahrbar war. Maximal waren 200 Fahrzeuge pro Stunde erlaubt!
Dies zum Thema Sellajoch, das Touren über den Pass hätte echt schön werden können, atemberaubende Aussicht, gut ausgebaute Straßen, ein Eldorado für jeden Biker. Ein paar Daten zum Sellajoch. Von Canazei (liegt auf 1465 m) kommend, steigt die Straße mit max. 11% Steigung auf 2214 m an, eigentlich sehr zu empfehlen, aber wir hatten noch einen Plan “B”.

Weiter geht es über das Grödner Joch Richtung Corvara. Der Verkehr hatte sich ein wenig verteilt. Die Passhöhe liegt auf 2121m, wunderbarer Blick auf die Dolomiten, traumhaft!

Wir fahren über den Passo di Campolongo mit 1875 m wieder “abwärts” nach Arabba.
Wir biegen links ab in Richtung Cortina d` Ampezzo auf der “Großen Dolomitenstraße”. Vor Cortina d` Ampezzo biegen wir rechts ab zum Passo di Giau. Wir hatten leichte Bedenken wegen der “schmalen” Markierung auf der Landkarte. Der Pass entwickelte sich zum Geheimtipp, also nicht weitersagen.

Der Pass ist mit einem Schwierigkeitsgrad 2 – 3 angegeben, d.h. fahrerisches Können ist gefordert.
55 Kehren (!) bringen den Biker auf 2233 m Passhöhe. Die Fahrbahn ist zwar relativ schmal aber gut zu befahren, leider war oft vor den Kehren die Fahrbahn ausgefräst, die Bauarbeiten dürften mittlerweile abgeschlossen sein. Der kurze Aufenthalt auf der Passhöhe war kalt und die Sicht eingeschränkt, da leichter Nebel aufgezogen war (Für den Tipp hat sich Klaus ein Bier verdient).

Im Tal, in Santa Lucia, haben wir uns dann bei einer wohlverdienten Pause von selbiger einen Apfelstrudel zur Belohnung servieren lassen.

Weiter geht es über Alleghe, Cencenighe, Falcade im Sonnenschein nach Moena. Der Rest der “Heimreise” nach Tramin ist bekannt, Cavalese, Auer, über die Etsch in unsere Pension, dem Viertelgrauner Hof (weil der Hof auf dem ¼ Weg nach Graun liegt). Den Staub und den Schweiß abgeduscht, weil, man (Mann) mag es nicht sagen, bei solchen Touren kommt der Biker echt ins Schwitzen…😊. Kosmetisch saniert und wohlduftend strebten wir dann mit Vorfreude, Hunger und Durst auf direktem Weg ins nahe gelegene „Weingartenrestaurant“ Pergola. Der Rest ist vom Vortag bekannt. Wunderbares Essen und süffige Getränke. Nach ca. 300 Tageskilometern “rauf und runter” darf man zurecht hungrig und durstig sein, wir hielten bis 23.00 Uhr aus, dann war Bettruhe angesagt: wir hatten einen besonders schönen Tag in den Dolomiten erlebt!

 

 

3. Tag, eine Herausforderung

„The same procedure as yesterday“ beginnt mit Frühstück bei Frau Stürz: Extraklasse!Heute wollen wir uns auf unserer Pässetour auch wieder an ca. 300 Tageskilometer heranwagen. Beginnen werden wir mit unserem „Hauspass“, dem „Passo di Mendola, dem Mendelpass“.

Die 2. Überquerung läuft schon deutlich „runder“, wir haben uns ja auch bereits „eingefahren“.
In Saminico biegen wir rechts ab Richtung Fondo und Lana. Von Lana geht es eigentlich nur noch Richtung Norden Richtung Sankt Leonhard, wenn wir uns nicht in Meran fürchterlich verfahren hätten. Bis Moos in Passeier zieht es sich leicht bergan und sehr malerisch in Richtung Timmelsjoch.

 

Die Timmelsjoch Straße verbindet das Passeiertal in Italien, genauer gesagt, Südtirol, mit dem Ötztal in Österreich. Die Passhöhe beträgt 2509 m und wird mit dem Schwierigkeitsgrad für Motorräder von 2 -3 gehandelt, d.h. gute Fahrpraxis auf Bergstrecken ist erforderlich. Die italienische Seite ist Mautfrei und noch sehr ursprünglich, überwiegend schmale Fahrbahn, der Fahrbahnbelag ist nicht immer problemfrei und teilweise recht unübersichtlich, die Tunnels sind nicht beleuchtet. Geöffnet ist der Pass von ca. Mitte Juni bis Mitte Oktober und gesperrt für Fahrzeuge über 8 t und Fahrzeuge mit Anhänger. Das bedeutet, Motorräder und Autos sind unter sich und auch jede Menge Radfahrer. Die Aussicht ist grandios, wenn man Zeit zum Gucken hat, das kommt bergauf selten vor, bergab schon eher. Die Fahrt war für mich ein einzigartiges Erlebnis, erfordert aber auch ein wenig Kondition und die Höhenmeter tun ihr Übriges.
Ich muss zugeben, nach rund 50 km bergauf und bergab, wieder im Tal bei einem Cappuccino und einem Apfelstrudel zu sitzen, ist auch sehr schön und man schöpft schnell wieder neue Kraft. Apfelstrudel sollte man in der Apotheke auf Krankenschein bekommen.
Die nächste Etappe nach der Stärkung waren Jaufenpass und Penserjoch.

In Stankt Leonhard gehts nach links Richtung Sterzing. Die Strecke „kurvt“ anfangs flott bergauf um dann in gut ausgebaute Kurven und Kehren überzugehen. Der Pass ist gesperrt für Sattelzüge und Gespanne über 4,5m. Zusammengefasst: auf ca. 37 km mit 23 Kehren und einer Passhöhe von 2099 m jede Menge Fahrspaß. Die Fahrbahn ist gut ausgebaut, meist übersichtlich und gibt Raum zum Überholen.

Vor Sterzing rechts abbiegen zum Penserjoch – unser letzter Pass für heute.
Die Passhöhe liegt auf 2211 m Höhe, die Strecke hat einen Schwierigkeitsgrad von 2- 3, also durchaus anspruchsvoll. Lediglich fünf Kehren sind auf 15 km verteilt, die Steigung beträgt im Durchschnitt 8%. Das ist genau die richtige Dosis, um diesen besonderen Pässetag entspannt ausklingen zulassen, bevor es auf den Heimweg geht.

Das war die Planung und nun zur Realität: Kurz hinter Sterzing zeigte ein Verkehrsschild an, dass der Pass genau heute, am 06.09. 2018 am Nachmittag wegen Bauarbeiten komplett gesperrt sei, ein Blick zur Uhr, es war Nachmittag! Sch…..ade!
Also zurück nach Sterzing auf der Bundesstraße parallel zur Autobahn in Richtung Bozen. Im Tal war es sonnig und warm, bei gefühlten 35 Grad „stauten“ wir im Feierabendverkehr durch Bozen, es könnte auch Stuttgart oder Hamburg gewesen sein, in Richtung Tramin. Der Plan, na klar, sofort nach Ankunft ein oder zwei kalte Biere zu tanken. Zwei Mann – 4 Bier, wir haben unser Versprechen eingelöst!

Nach der Körperhygiene, war auch wieder bitter nötig, das superwarme Septemberwetter ist unter einer Lederkombi nicht immer wirklich angenehm… ab in den Weisskeller. Wir hatten auf Weisswein umgestellt und einen Brotzeitteller für zwei Personen mit Schinken Käse bestellt. Es kamen nach kurzer Zeit ein riesiger, aber wirklich riiiiiesiger Brotzeitteller! Haben uns mächtig angestrengt und alles verputzt, Schwerarbeiter (und Schwangere) müssen sich schließlich gut ernähren, na denn Prost. Bei dieser Gelegenheit ein Gruß an die Juniorchefin Jasmin aus Norddeutschland. Wir sind die (Biker) Menschen aus dem Heidedorf mit dem großen Hunger und Durst: Herzlichen Glückwunsch zum Baby und alles Gute für Dich und die neue Südtirolerin. Ich denke, wir werden das Gedeihen der kleinen Larissa von Zeit zu Zeit verfolgen.

 

4. Tag, zum Genießen

Das Urlaubsende hatte sich viel zu schnell angekündigt. Wir saßen zum letzten Mal am Frühstückstischchen auf dem Balkon mit Sicht auf die privaten Weinberge der Wirtsfamilie, die Sicht war geprägt von einem leichten Dunst über dem Tal, die Stimmung war ebenso – wie es eben am Urlaubsende so ist. Wir beschlossen, eine kleine Runde von rund 100 km nach Obereggen zu drehen.

Über die Etsch nach Auer und Montan, nach Montan nach links abbiegen – Richtung Aldein und Deutschnofen. Die Gemeindeteile erstrecken sich von 418 m bis auf 2799 m. Im 13. Jahrhundert sollen Hessen und Schwaben Erz abgebaut und geschmolzen haben, deshalb Deutschnofen. Bis hier ging es relativ flott nach Obereggen. Wir hatten noch keine Pässe. Nach kurzer Kaffeepause, mit dem Blick ins Tal, geht es weiter zum Passo die Lavazè, der Pass liegt fast ausschließlich im Wald und ist angenehm zu fahren. Gut ausgebaute Kurven und Gerade wechseln sich ab. Bei 1808 m erreichen wir die Passhöhe. Bergab geht es nach Cavalese und die bekannte Route zurück nach Montan und Auer nach Tramin.

Mittlerweile ist es im Ort „Sommer geworden“ – im Tal, bei gefühlten 35 Grad- machen wir uns auf, um den Ort bei Tage zu sehen. Der Ortlebt vom Wein- und Obstanbau und liegt mit seinen knapp 3500 Einwohnern am Westhang des Etschtals. Bekannt durch die Nähe zu Kalterer See und dem berühmten Gewürztraminer und, wie die Bewohner sagen, durch den Faschingsumzug in ungeraden Jahren.

Der Nachmittag ist geprägt vom Packen und Motorräder verladen, auch hier überlies uns unsere Wirtin ihre private Garage für Auto und Anhänger, an dieser Stelle, liebe Frau Stürz, vielen Dank für Ihren Gastfreundschaft, wir werden Sie weiterempfehlen.

Die Choreographie des Abendprogramms hatte im Vergleich zu den Vorabenden nichts Außergewöhnliches, Weißwein und gutes Essen, nur weniger und kürzer. Wir wollten am nächsten Tag zeitig los, um am Spätnachmittag in den heimatlichen Hafen einzulaufen – daraus wurde allerdings auch nix – Baustellenstaus auf Bundes- und Autobahnen, gelegentlich gewürzt von einem Auffahrunfall – alles nicht schön und unerquicklich – aber das will auch keiner wirklich wissen.

Im Abstand von einer Woche, und ich glaube auch im Namen von Kai zu sprechen, war es ein außergewöhnlicher und ereignisreicher Urlaub in einer der schönsten Landschaften Europas:

Wir haben gelernt
• füreinander verantwortlich zu sein
• aufeinander acht zu geben
• gegenseitig Rücksicht zu nehmen
• Am Abend, beim Wein, „Männergespräche“ zu führen
• Nach dem aktiven Berufsleben sich „Zeit“ zu nehmen für seine Hobbies
• Das zu tun, was man gerne tut, weil man es liebt und kann
• …..und weil wir endlich den Mut hatten, uns etwas zu gönnen, was wir uns in einem langen Arbeitsleben immer verkneifen mussten….
• Mit einem Wort: wir haben es genossen und würden es immer wieder machen!!!

Danke, lieber Kai für diese Reise und deine Begleitung – Wiederholung von meiner Seite nicht ausgeschlossen!