Tageskreuzfahrt auf Schwielowsee und Wannsee

Auf früheren Dienstreisen war Brandenburg für mich ein Highlight, im Ruhestand wollte ich unbedingt auch privat dorthin. Mein ehemaliger Geschäftspartner, im Laufe der Jahre hatten wir uns angefreundet, hatte mich mehrmals eingeladen.. „Komm doch mal am Wochenende, dann könnten wir….“ Bisher hatte sich das aber nie ergeben.

Und nun war es  soweit. Am zweiten Augustwochenende machten wir  „Nägel mit Köpfen“ und fuhren nach Potsdam in Brandenburg. Der neue Hauptstadtflughafen BER funktioniert ja leider noch nicht. Spatenstich war 2006, Fertigstellung sollte 2011 sein, jetzt haben wir 2018, bis zur Fertigstellung wollten wir nicht warten – wir nahmen das Auto.

Autobahn A2 über Magdeburg, das Navi sagte zwei Stunden 15 Minuten, die Realität: knappe 4 Stunden incl. Stau.

 

Erste Anlaufstelle war das holländische Viertel in Potsdam.  Entspannung pur, nur coole Menschen aus aller Herren Länder in kleinen Geschäften, Boutiquen, Restaurants  und Bars, die richtige Anlaufstelle zum Herunterkommen nach der Autobahn.

König Friedrich Wilhelm, der Soldatenkönig, wollte im 18. Jahrhundert Holländer in Potsdam ansiedeln, um von deren Handwerkskunst zu profitieren, die er bewunderte. Dies gelang allerdings nur zum Teil. Die Siedlung mit den 134 malerischen Backsteinhäusern wurden nach der Wende restauriert und sind nun ein Touristenmagnet.

 

Von Potsdam ging es nach Caputh, dort hatte Albert Einstein seinerzeit ein Sommerhaus. In Caputh kann man mit einer Fähre über den Schwielowsee (Fahrzeit stolze 2 Minuten) nach Ferch fahren. Ferch hat etwa 2000 Einwohnern und ist als Künstlerkolonie ähnlich wie Worpswede bekannt.  Dort hatten wir uns in der kleinen Hotelpension „Bootsklause“ mit 10 Zimmern angemeldet. Die „Bootsklause“ liegt nicht nur in Ufernähe, nein, sie liegt direkt am Schwielowsee! Idyllisch und versteckt – im angeschlossenen Restaurant sitzt man im Freien und könnte fast die Beine beim Essen ins Wasser halten. Von den Tischen aus hat man das gesamte Seepanorama vor sich – einfach toll! Die Menschen sind freundlich, das Essen ist gut bürgerlich, das Bier und die „Berliner – Weisse“ sind frisch gezapft, der Kurzurlaub hat bereits begonnen.

Nach einer entspannten Nacht, es ist nicht mehr so heiß wie in den letzten Tagen und Wochen. Das Frühstück wird im liebevoll eingerichteten Seezimmer eingenommen. Natürlich mit wunderbaren Blick aufs Wasser und auf die Marina. Die Auswahl am Buffet ist „erste Klasse“. Kaffee, frische selbstgebackene Brötchen, wachsweiche Eier, verschiedenen süße Brotaufstriche findet der Gast auf den Tischen – Herz was willst du mehr!

 

Nach der Stärkung treffen wir unseren Freund, den viele nur „Kapitän Kakadu“ rufen an seinem Boot. Artig bitten wir Landratten „an Bord kommen zu dürfen“ und werden auch willkommen geheißen. Nun wissen wir auch, woher der Name  Kakadu kommt, denn  Bootsmann ist nicht der berühmte Hund aus der schwedischen Kinderserie,  es ist Max, ein 25jähriger Papagei, der gern zur See fährt. Als erster Steuermann wacht  er über das Boot, mischt sich laut in Unterhaltungen ein, oder dämmert auf seiner Sitzstange vor sich hin.  Ein lustiger Geselle, der seinen Käfig direkt neben dem echten Kapitänssitz hat.  Nach kurzer Einweisung und Führung durch das erstaunlich geräumige und sehr komfortable Boot sind wir nun seetauglich und unsere Tageskreuzfahrt kann beginnen.

 

Auf dem Plan steht: Erkundung Schwielowsee und Wannsee. Erstmal tuckern wir mit runden 10 Stundenkilometern Richtung Potsdam. 10 km/h fühlt sich auf Land gaaanz langsam an, aber auf See bei leichtem Wellengang, ist dies schon eine ordentliche Geschwindigkeit. Schwielowsee und Wannsee sind überwiegend von dichten Wäldern umgeben, von der Straße nur wenig einsehbar. Aber von der Wasserseite aus gibt das Ufer, die daran angrenzenden Seegrundstücke mit ihren gepflegten Rasengrundstücken, Gärten und den immer imposanter werdenden Villen, ihre verborgene Schönheit preis.

Der Verkehr auf dem See ist am Vormittag noch ruhig, vereinzelt begegnet man kleineren und größeren Booten, die Skipper grüßen sich freundlich. Je länger der Tag dauert, desto öfter trifft man motorisierte Mietflöße. Diese tuckern auch mit knappen 10 km/h über das Wasser, gesteuert werden sie allerdings von eher jugendlichen Menschen, die keinen Bootsführerschein benötigen und auch meist lautstark mit einer Flache Bier in der Hand grüßen. (Bierflasche fast immer, grüßen eher selten)

 

Vom Süden des Schwielowsees kommend fahren wir an prächtigen Anwesen vorbei, wobei uns unser Kapitän bei der einen oder anderen Villa erklärt, wem sie jetzt gehört oder früher einmal gehörte. Er warnt uns, je näher wir in Richtung Berlin kommen, umso größer würden die Immobilien, er soll recht behalten. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus!

 

Wir fahren am ersten optischen Highlight vorbei, dem ganz in weiß gehaltenen „Resort Schwielowsee“. Dort fand der „kleine Gipfel am Schwielowsee“, ein Vorbereitungstreffen der G8 Finanzminister statt, für das, im Jahr 2007 geplante G8- Gipfeltreffen von Heiligendamm.

 

Dann schippern wir mitten durch Potsdam am Theater und am Theaterschiff vorbei, an ca. 70 Meter langen Flusskreuzfahrtschiffen. Wir passieren eine Bootsanlegestelle des Discounters, der mit „A“ beginnt und von zwei Brüdern gegründet wurde. Hinter Bäumen versteckt sehen wir vom Boot aus das blaue „A“ aufblitzen – aha.  Vornehm, vornehm – aber in einer Seenlandschaft irgendwie verständlich, dass man zum Einkaufen nicht nur mit Fahrrad, Auto oder zu Fuß, sondern auch mal mit dem Boot kommt…und irgendwo muss man ja parken, pardon, anlegen.

 

Wir nehmen nun aber Kurs auf den („ Pack die Badehose ein“ ….) Wannsee. Wir passieren Schloss und Park Sanssouci, übersetzt: „ohne Sorgen“. Dann steuern wir an Babelsberg vorbei auf die Glienicker Brücke zu, dem Tor zum Wannsee. Auf der Glienicker Brücke, auch Agentenbrücke genannt, wurden während des Kalten Krieges mehrmals Spione und Agenten ausgetauscht, weil die Brücke von „Ost“ und „West“ gut überwacht werden konnte. Auch in diversen Filmen hat diese berühmte Brücke mitgespielt oder war zumindest Drehort.

 

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Wannsee vom sehr wohlhabenden Bürgertum besiedelt. Leider konnten wir die heutige Prominenz in den meist terrassenförmig angelegten Gärten nicht entdecken. Allein die festangestellten Rasenroboter waren unermüdlich bei der Arbeit um  für ein gepflegtes Grün zu sorgen. Am Ostufer des Wannsee liegt das wohl größte und denkmalgeschützte Binnengewässer- Strandbad Europas. Wir umrunden noch die Pfaueninsel, wo bis zu 100 freilaufende Pfauen leben sollen. In Vergangenheit diente die Insel als Lustgarten, hier wurden je nach aktuellem Herrscher exotische Tiere gehalten. Diese Tiere dienten ab Mitte des 19. Jahrhunderts als Grundstock für den Zoologischen Garten Berlin, dem ersten Zoo Deutschlands.

Mit der Pfaueninsel erreichten wir den entferntesten Punkt unserer Tageskreuzfahrt, ab jetzt schipperten wir auf ähnlicher Strecke zurück über Potsdam in den Schwielowsee. Alte und neuerbaute Villen wechseln sich am Ufer ab. Die Ahs und Ohs und „guck doch mal! – Wer da wohl wohnt“ wechseln sich ab. Im Bereich Potsdam hat der Schiffsverkehr gegenüber dem Vormittag deutlich zugenommen, aber auch der Alkoholpegel der Floßfahrer. Es wird hektischer und lauter. Wir passieren wieder unsere  „Zwei-Minuten Fähre“ in Caputh, diesmal aber auf dem Wasser und nicht von Straße zu Straße.

Kurz vor dem Ziel in Ferch biegen wir nochmals rechts ab zur Insel Werder. Wir wollen dort ankern, um in einem sehr guten italienischen Restaurant, dem „Pane e Vino“ – „die beste Ristorante von die ganze Werder“ – nicht nur Brot und Wein, sondern auch Pizza zu essen. Leider fiel der leckere Gastronomiebesuch ins Wasser, denn wir fanden absolut keinen Ankerplatz! – Alles war belegt! Wenn man denkt, wie schwierig es in einer Großstadt ist, einen Parkplatz für sein Auto zu finden, der sollte mal für zwei bis drei Stunden einen Liegeplatz für sein Boot suchen! Nach mehreren „nee is nich, allet voll“ mussten wir wohl oder übel wieder in See stechen und zurück nach Ferch schippern.

Dank moderner Kommunikation, mittels Flaggenzeichen, reservierten wir dann  im Restaurant „Schwälbchen“ in Ferch einen Tisch und drei Stühle. Zuvor im Hotel landfein gemacht, ging die Sause weiter zu besagtem kleinen Landgasthaus im Wald. Außer der „kleinen Schwalbe“ ist in diesem Lokal alles groß, also nix für Kalorienzähler. Ein echter Geheimtipp, alle Tische im Freien belegt – aber wir haben ja reserviert. Der Wirt in kurzem Beinkleid mit typisch brandenburgischem Dialekt. Er kümmert sich freundlich um uns, und schon stehen die Bierchen und die „grüne Berliner Weisse“ auf dem Tisch. Wir entschieden uns für zweimal Fisch und einmal Fleisch. Die Portionen waren nicht nur üppig, sie waren überreichlich!  In meinem Fall, Zander satt, frische Pfifferlinge satt, Pommes satt, gemischter knackiger Salat satt! Genauso bei meinen beiden Mittstreitern. Zum Abschluss musste noch ein Verdauungsschnaps her, auch der war ebenso üppig eingeschenkt – so gut wie doppelt. Wer gut, reichlich und preiswert in einer urigen Atmosphäre essen möchte, dem sei das „Schwälbchen“ in Ferch empfohlen.

Nach diesem opulenten Mahl bot sich noch ein kleiner Spaziergang an, aber wirklich nur ein kleiner… Danach sanken wir, gesättigt durch fantastische Tageseindrücke einer wundervollen Seenfahrt und durch ein opulentes Abendmahl und reichlich abgefüttert „wie ein satter Säugling“ in die Kissen.

Am nächsten Morgen dann  beginnt unser dritter Tag und  vorerst letzter Tag in Brandenburg bei strahlendem Sonnenschein. Aufwachen, den Blick zum blauen wolkenlosen Himmel, das Wasser im See (ist gottseidank noch da) und heute ganz ruhig und wellenlos. Wir sind mit Kapitän Kakadu (er hat natürlich bei seinem ersten Steuermann an Bord  geschlafen) zum Morgenmahl verabredet. Super freundliche Wirtsleute, nette Gäste und wieder ein wunderbares Frühstücksbüffet – wir haben viel Gesprächsstoff. Aber auch das schönste Frühstück ist irgendwann einmal beendet und der Abschied naht. Zuerst begleiten wir unseren Kapitän zu seinem Boot und er zeigt uns noch die anderen dort ankernden Boote. Dann entscheidet er sich, uns seinerseits zu unserem Auto zu begleiten, tränenreich und Schulter klopfend nehmen wir voneinander Abschied. Wir verabreden ein baldiges Wiedersehen. Auch Max, der Papagei hat seine „OK“ gekrächzt.

An dieser Stelle wollen wir Dir, lieber Kapitän Kakadu, ein ganz ganz dickes Dankeschön aussprechen!!! Auch wenn wir Dich im richtigen Leben niemals so nennen würden. Meine Frau und ich haben uns sehr wohl gefühlt, es war eine tolle Idee, mit uns Landratten so eine wunderschöne „Tageskreuzfahrt“ zu starten. Wir wissen das sehr zu schätzen, schwärmen jetzt noch davon und empfinden die Bootsausfahrt als große Auszeichnung und Ehre.

Auf dem Heimweg fuhren wir nochmals nach Werder „an die supa Italiener“ vorbei, es war aber zu früh, leider hatte er noch „geschlossene“. Wir haben dann auf der Insel Werder nach einem Spaziergang am Ufer, dem sehr edlen „Prinz Heinrich“- einem wundervoll und sehr stilvoll eingerichtetem Hotel mit Restaurant, einen Besuch abgestattet – wunderbar!

Die Insel Werder – immer einen Besuch wert.  Kleine  Häuschen, ähnlich des „holländischen Viertels“ in Potsdam. Überall „fettes“ Kopfsteinpflaster – meine Damen – nix für hohe Absätze!!  Flaches Schuhwerk ist wirklich angebracht, es läuft sich wesentlich bequemer.  Auch hier gibt es kleine Kunstgewerbelädchen, Spezialitätengeschäfte und gemütliche Lokale zum Verweilen. In Anlehnung an die Augsburger Puppenkiste könnte man sagen: „Ei-ne Insel zum Verlieben…..“.

Irgendwann schauten wir dann auf die Uhr – der Weg zurück nach Hannover über die A2 lag noch vor uns. Aber vorher machten wir doch noch einen allerletzten Abstecher nach Potsdam. Noch einen „Absacker“ in der Eisbar auf der Brandenburger Straße mit den Seitengassen. Überall sind kleine, liebevolle Geschäftchen, Boutiquen, Restaurants – ein „El  dorado“  zum gemütlichen Shoppen. Speziell für Frauen sind einige sogar sonntags geöffnet, leider nicht “KPM“ (Königliche Porzellan-Manufaktur).

Es kam es, wie es kommen musste, Baustellen, Umleitungen, die täglichen Staus auf den Autobahnen um Berlin. Wir waren zurück im Alltag.

Potsdam, Brandenburg und lieber Kapitän K., wir kommen wieder, wir müssen unbedingt noch den Park und das Schloss Sanssouci besuchen.

Wir blicken auf ein ganz tolles Wochenende „Sanssouci = ohne Sorgen“ zurück! Ein wirklich empfehlenswerter Trip durch eine der schönsten Gegenden Deutschlands.