Wir fahren in das Land, wo die Zitronen blühen und nicht nur blühen, und zwar die besten, die größten und die leckersten Früchte, na klar…. nach Sizilien

Bereits im Januar hat der „Familienrat“ beschlossen: wir fahren nach Sizilien –  und zwar mit einem Discounter, den es in Nord und in Süddeutschland gibt! Bisher sind wir zwar Kunde dort, wir kaufen Lebensmittel und dies und das – aber Reisen? Bisher waren wir zufrieden – warum sollen wir es nicht mal mit einer Reise versuchen!

Mit der Auftragsbestätigung stellte sich dann relativ schnell heraus, dass der Discounter sehr eng mit einem riesigen Reiseveranstalter zusammenarbeitet –  was sollte dann noch schief gehen.

An einem frühen Samstagmorgen gegen 03.00 holt uns ein Taxi zum Flughafen ab. Wir haben nicht geschlafen, wir haben nach einem normalen Tag (Arbeitstag) durchgemacht, das kam auch lange nicht mehr vor. Alles klappt wie am Schnürchen, nur die Menschen bei der Sicherheitskontrolle haben wohl auch nicht geschlafen, warum müssen die immer so übellaunig sein? Macht nix, wir haben ja Urlaub!

Der Flieger hebt pünktlich ab und wir landen wie geplant kurz vor acht Uhr in Catania – bella Italia. Die Reiseleiterin spricht, vermutlich ohne zu atmen, fliesend italienisch und deutsch und bereitet die Neuankömmlinge auf den Bustransfer und den Urlaubsort vor, der Urlaub kann beginnen. Im Calabernardo Resort. Die erste Überraschung, schlecht gelaunte Abreisende sitzen auf Ihren Koffern und warten auf einen Bus zum Flughafen. Erstaunte Neuankömmlinge warten auf ihre noch nicht fertigen Zimmer. Leichter Frust macht sich breit, mittlerweile haben wir runde 30 Stunden nicht geschlafen. Nach dem Mittagessen und einem kleinen Nickerchen sieht dann die Welt wieder anders aus. Wir machen uns auf die Erkundungstour in den Ort, der Ortskern liegt tatsächlich wie beschrieben ca. 50 m vom Resort entfernt, entpuppt sich aber recht schnell als von Menschenseelen verlassener Kreisverkehr mit einem uralten Fischerboot an Land, einem geschlossenen Ristorante und mit drei Hunden, die in der Sonne dösen. Man könnte ohne große Mühe den Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ in der italienischen Fassung drehen.

Ein paar Schritte vom „Zentrum“ entfernt eine kleine Bar mit wirklich nettem Personal, mit einem ganz hervorragenden Speiseeis, mit einer super italienischen Küche, wahrscheinlich von Mama persönlich gekocht und zu einem sehr vernünftigen Preis. Wir haben beschlossen, das war nicht unser letzter Besuch in diesem Ristorante. Der Strand, wie im Prospekt beschrieben, nicht zum Baden geeignet, da sehr felsig und zerklüftet, aber sehr bizarr und für Stimmungsfotos bestens geeignet.

Das waren die ersten Eindrücke von „Land und Leuten“ rund um das Resort. Ab 19.00 Uhr wurde dann das Abendbuffet eröffnet, am Mittag waren es noch eine überschaubare Menge Menschen im Speisesaal, am Abend war die Lokalität voll. An den 12er Tischen, eng in Reihe gestellt, waren fast  alle Plätze belegt. Die meist älteren Gäste drängten sich an das Buffet, wer nicht pünktlich ist, hat meist das Nachsehen, denn nachgelegt wird, wenn überhaupt, nur sehr zögerlich. Bei den Hauptspeisen, Fisch oder Fleisch, konnte es vorkommen, dass das eine oder das andere Gericht nicht mehr verfügbar war. Das wiederholte sich fast täglich, wenn man nicht „pünktlich“ um sieben beim Essen war. Buffetzeiten laut Plan 19.00 bis 21.00 Uhr. Die großzügig aufgebauten italienischen Vorspeisen waren bei genauem Hinsehen meist doppelt aufgebaut, was die Auswahl deutlich einschränkte. Leider waren die besonderen landestypischen Leckerbissen auch ruckzuck vergriffen, schade. An mehreren Tagen stellten die Gäste fest, dass der rote Tischwein vermutlich mit Wasser gestreckt war, was teilweise für Unmut sorgte. Der Verfasser äußerte die Vorgänge am Buffet gegenüber der Reiseleitung, am Folgetag war sein Weißwein nicht genießbar, vielleicht Zufall. Zum Speisesaal noch eine Anmerkung, er hat den Charme einer Bahnhofswartehalle aus vergangenen Tagen, nahezu schmucklos, wie bereits erwähnt eng bestuhlt, die Stühle sind praktische Kunststoffstapelstühle, wenn man sie nach hinten schiebt, geben sie unangenehme Geräusche von sich. Wenn nur 10% der anwesenden Gäste gleichzeitig die Stühle verschiebt, gibt dies einen ohrenbetäubenden Lärm. Zu Thema Lärm im Speisesaal, wenn sich weit über 100 Menschen während des Essens unterhalten, wird der Geräuschpegel so hoch, dass jeder noch lauter spricht oder sogar schreit und das Stimmengebrause noch mehr anschwillt. Der Essgenuss hat durch die Lautstärke nochmals abgenommen. Die Reiseleiterin erklärte, „sie sollten mal im August hier sein, wenn die Italiener Urlaub machen, dann geht hier was die Lautstärke angeht erst richtig die Post ab!“ Das war kein gelungener Trost. Nach meiner Einlassung zu Beginn des Urlaubs, wurde ich von der Reiseleiterin eher säuerlich gegrüßt ebenso wie von dem Rezeptionspersonal. Wie unsportlich, die nahmen wohlmeinende Verbesserungsvorschläge und leichte Kritik persönlich – sowas waren sie von artigen Rentnern wohl nicht gewohnt. Die Kellnerin hielt ihr unfreundliches und unprofessionelles Gebaren bei. Mit feindseligen Blicken bedachte sie mich und auch andere Gäste. Die Dame übersah mich gerne beim Ordern der Getränke, dafür bekam ich „Spezialwein“.

Das Frühstück war natürlich kein „typisch deutsches Frühstück“, wir waren schließlich in Italien, und da gibt es natürlich auch für uns ein ungewohntes „italienisches Frühstück“ mit süßen Hörnchen, Brötchen mit Weißmehl und Mortadella, das ist auch o.k. so. Allerdings finde ich, nur einen einzigen Kaffeeautomaten zur Selbstbedienung für alle Gäste sorgt schon am Morgen für Stau am Automaten. Die Schlange ist dann ein hervorragendes Forum zum Meckern, dass es wieder mal, was auch immer, nicht funktioniert. Zwei dauerverstopfte Salzstreuer an einer einzigen Gewürzbar sind für ca. 120 Gäste auch recht sportlich bemessen.

Leider steht den Gästen abends nur eine kleine Bar nach dem Abendessen zur Verfügung, denn die Plätze im Freien sind zu dieser frühen Jahreszeit noch zu kalt für einen kleinen Absacker nach dem Essen. In der Bar residiert ein begnadeter Musiker, der aus seiner Stimme und aus dem elektronischen Klavier alles herausholt, eine tolle Musikauswahl, ein guter Sänger aber zu viel zu laut. Mit der Boxenausstattung könnte man locker die Köln-Arena beschallen. In der Bar konnte man sich auch nur schreiend unterhalten. Aber als Ersatz gibt ja das „Picolo Ristorante“  am Lido, sprich die kleine Kneipe am Strand.

Unser Zimmer mit einem überdachten Freisitz war ausreichend möbliert und funktionell, es wurde täglich gereinigt und der Gast, wenn gewünscht, mit frischen Handtüchern versorgt. Die Betten bzw. die Matratzen waren unverbraucht und die Decke für zwei Personen war ausreichend groß für beide. Die Anlage ist relativ neu und ansprechend bepflanzt und die Mitarbeiter sorgen täglich dafür, dass es auch so bleibt. Alle Hotelmitarbeiter halten für den Gast zu jeder Zeit ein freundliches „Buongiorno“ bereit. „Bella Italia“.

In Italien gibt es kaum Fuß- und Radwege, der Fußgänger und der Radfahrer teilen sich die oft enge und meist auch schlecht ausgebaute Straße. Bei der italienischen Fahrweise sind Spaziergänge auf Verbindungsstraßen nicht ratsam.

Wir haben uns für die zwei Wochen einen kleinen Mietwagen geliehen und damit immerhin fast 1000 Kilometer abgespult. Am ersten Tag noch zögerlich, an deutschen Verhältnissen orientiert, am zweiten Tag schon etwas mutiger, am dritten Tag virtuos wie ein echter Italiener, durchgezogene Linien oder Geschwindigkeitsbegrenzungen sind etwas für Verlierer oder Feiglinge.

Erwähnen will ich die Orte Modica, wo es gefühlt tausende von Treppen gibt, mehr Kirchen als Einwohner und die beste Schokolade.

 

 

 

Auch der Ort Marzamemi mit seiner antiken Thunfischfabrik mit den kleinen Kunstgewerbegeschäften und den netten Cafes und dem romantischen Fischereihafen, haben es uns angetan.

 

 

 

 

 

 

Noto ist ein Muss, nach dem Erdbeben 1630 in barockem Stil neu aufgebaut und natürlich „Noto-Antica“ ca. 9 Kilometer außerhalb der „neuen“ Stadt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch die Fahrt, mit einem Höhenunterschied von fast 2000 Metern ab Meereshöhe, nach Caltagirone, der bekannten Fliesenstadt war ein Erlebnis. 240 Treppenstufen mit ortstypischen Fliesen unterlegt führen natürlich zu einem Dom auf der Bergspitze.

 

 

 

 

Die Altstadt von Siracusa war für uns das Ausflugshighlight, deshalb waren wir auch zweimal dort, ohne ein besonderes Ziel zu haben, einfach die einmalige Atmosphäre genießen und bummeln. Der Hafen mit tollen Yachten, die Altstadt mit engen bizarren Gässchen, winzige Geschäfte, großartigen Brunnen, antike Ausgrabungen und ein Spaziergang um die Landzunge mit der Brandung begeisterten uns. Die Bilder von Siracusa werden wir noch lange in Erinnerung haben.

 

 

 

 

 

 

Was wir auch noch lange in Erinnerung haben werden, sind einige interessante Menschen, die wir kennenlernen durften. Besonders erwähnen möchte ich K. und A. und V. und M. Ich könnte mir vorstellen, dass ich in einem der nächsten Blogs, wenn unsere Urlaubsfreunde das wünschen, unter Lebensgeschichten „mit 66 Jahren“ ein paar spannende Stories zu erwarten sind.

In diesem Urlaub sind wir mit so vielen Menschen ins Gespräch gekommen wie in kaum einem anderen Urlaub. Das lag auch an diesem „unsäglichen Speisesaal“, am 12er Tisch dicht an dicht sitzend, kommt man unweigerlich mit fremden Menschen ins Gespräch. Es kristallisieren sich dann tatsächlich oft kleine Cliquen heraus, die abends fast zur gleichen Zeit zum Essen an einem Tisch zusammenkommen oder sich neue Grüppchen bilden.

Reden führt Menschen zusammen, das haben wir in diesem Urlaub wieder mal gelernt. Es war ein schöner, erlebnisreicher Urlaub, wir haben ihn dazu gemacht. In absehbarer Zeit tritt mein „Lieblingsspeisesaal“ und meine „Lieblingskellnerin“ weit in den Hintergrund und wir erinnern uns nur noch an einen traumhaften Urlaub auf Sizilien. Dies war unser zweiter Aufenthalt auf Sizilien, ich könnte mir vorstellen, dass wir in ein paar Jahren wieder mal diese an Geschichte so reiche Insel besuchen.